Die achte Mission der japanischen H3-Trägerrakete am 22. Dezember schlug fehl. Wegen einer Minderleistung der zweiten Stufe, wie es zunächst hieß. Doch in den darauf folgenden Wochen verdichteten sich die Erkenntnisse immer mehr in eine Richtung, die diesen Start nahezu einmalig in der Raumfahrtgeschichte macht. Zunächst verlief die Mission wie geplant. Die H3 in der Version 22S (mit zwei Zentraltriebwerken in der ersten Stufe und zwei Starthilfsboostern) arbeitete in der Brennphase der ersten Stufe nominal. Doch dann kam es zu dem Ereignis, das wochenlang nicht aufgeklärt werden konnte, und dessen Details bis immer noch nicht ganz klar sind.
Die Mission begann um 2:52 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startanlage 2 des Raumfahrtzentrums Tanegashima. An Bord des Trägers befand sich der Navigationssatellit QZS-5 (für: Quasi-Zenith Satellite System), auch Michibiki-5 genannt. Die Rakete flog in der Konfiguration mit einer kurzen Fairing. Auftraggeber der Mission war das japanische Kabinettsbüro (CAO). Das geplante Perigäum für den Einschuss in einen kurzzeitigen Übergangsorbit (wenige Minuten vor einer zweiten Zündung für den Einschuss in die hochelliptische Transferbahn) war für ein Perigäum von 250 Kilometern und ein Apogäum von 450 Kilometern geplant. Erreicht wurden aber nur 109 x 440 Kilometer und einer Inklination von 30,1 Grad, was einen Wiedereintritt innerhalb von zwei Erdumkreisungen zur Folge hatte. Der dritte Perigäumsdurchgang wurde nicht mehr beobachtet.
Als Fehlerursache wurde in den ersten Tagen nach dem Vorfall angegeben, dass während des Brennvorgangs der zweiten Stufe eine Anomalie aufgetreten sei, die zu einer vorzeitigen Triebwerksabschaltung führte. Es sah also nach einem Fehler in der zweiten Stufe aus. Tatsächlich wurde schon vor der Trennung zwischen erster und zweiter Stufe ein Druckabfall im Wasserstofftank der zweiten Stufe verzeichnet. Dennoch zündete das Triebwerk und lief sogar 27 Sekunden länger als geplant, wenngleich mit stetig verringerter Leistung. Die zweite Zündung fand ebenfalls statt, verlief aber abnormal und endete schon nach wenigen Sekunden.
Erste Hinweise auf ein seltsames Ereignis fanden sich, als die Telemetrie ausgelesen wurde. Dabei stellte man fest, dass es beim oder kurz nach dem Abtrennen der Nutzlastverkleidung ein starker Beschleunigungseffekt (oder ein harter Stoß) aufgetreten war. Fast gleichzeitig begann der Druck im Wasserstofftank zu sinken. Wie es derzeit aussieht (21. Januar 2026) trat beim Abtrennen der Nutzlastverkleidung ein katastrophaler Fehler auf – man geht von einem vorzeitigen Feuern der Trennpyros aus – der den Satelliten von der Rakete riss, mit der darunter liegenden zweiten Stufe kollidieren ließ und diese offenbar schwer beschädigte.
Nach diesem Einsatz sieht die Startübersicht des Jahres 2025 wie folgt aus:
- USA: 174 (davon SpaceX: 165). 1 Fehlschlag (Alpha)
- China: 88. 3 Fehlschläge (Kuaizhou 1A, Zhuque 2, Ceres 1)
- Neuseeland: 18
- Russland: 15
- Europa: 7
- Indien: 4. 1 Fehlschlag (PSLV XL)
- Japan: 4
- Deutschland: 1. 1 Fehlschlag (Spectrum)
- Australien: 1. 1 Fehlschlag (Eris 1)
- Israel: 1
- Südkorea: 1
Die Statistik der eingesetzten Startplätze stellt sich folgendermaßen dar:
- Cape Canaveral/Kennedy Space Center: 109 (82/27)
- Vandenberg Space Force Base: 65
- Jiuquan: 31
- Wenchang: 19 (institutionell 12/kommerziell 7)
- Xichang: 18
- Mahia: 16
- Taiyuan: 12
- Plessezk: 8
- Guyana Space Centre: 7
- Dongfanghang Tiangang (auch: Oriental Spaceport Launch Ship): 7
- Baikonur: 6
- Satish Dhawan: 4
- Tanegashima: 4
- Andøya: 1
- Wostotschnij: 1
- Bowen Orbital Spaceport: 1
- Palmachin: 1
- Naro Space Center: 1
- Mid Atlantic Regional Spaceport (MARS): 1
Bild: JAXA
