Indien begann das Raumfahrtjahr 2018 am 12. Januar mit einer erfolgreichen Standardmission seiner PSLV-Trägerrakete. Das ist nicht ganz so selbstverständlich wie das Wort „Standard“ vermuten lässt, denn beim vorausgegangenen Einsatz, im August 2017, kam mit es mit der PSLV zu einem Fehlstart, als es nicht gelang, die Nutzlastverkleidung abzutrennen. Damals erreichte die vierte Stufe mit der unter der Fairing eingeschlossenen Nutzlast, einem Navigationssatelliten, zwar die Umlaufbahn, das Raumfahrzeug blieb aber damals in der Verkleidung gefangen und konnte nicht abgesetzt werden. Davor hatte die Rakete 36 erfolgreiche Starts in ununterbrochener Reihenfolge absolviert. Insgesamt hat der Träger bei 42 Missionen zweimal versagt. Der erste Fehlstart ereignete sich beim Erstflug im September 1993.

Dieses Mal ging jedoch alles nach Plan, und die Hauptnutzlast, der indische Umweltbeobachtungssatellit Cartosat 2F, erreichte ebenso sicher den vorgesehenen Erdorbit wie die insgesamt 31 Sekundärnutzlasten aus Kanada, Finnland, Frankreich, Korea, den USA und Indien. Bei ihnen handelt es sich um die Erdbeobachtungssatelliten Mikrosat-TD aus Indien, Carbonite 2 aus England, ICEYE X1 aus Finnland, CICERO 7, Corvus-BC und vier Einheiten der Lemur 2-Serie aus den USA, die Technologiesatelliten LEO Vantage 1 aus Kanada, INS 1C aus Indien, MicroMAS 2a, Arkyd 6, 4 x Flock-3P, Demosat 2, 4 x SpaceBEE aus den USA, CANIVAL-X 1 und 2, CNUSail-1, KAUSAT-5 und SIGMA STEP Cube Lab aus Südkorea sowie die Astronomie-Satelliten PicSat aus Frankreich und Tyvak 61C aus den USA und den Amateurfunksatelliten Fox 1D.

Die Mission hatte um 4:58 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startrampe 1 des Satish Dhawan Raumfahrtzentrums auf der ostindischen Insel Shriharikota begonnen. Die Rakete flog dabei in der PSLV-XL-Version, derselben Variante wie beim missglückten Einsatz im August. Bei dieser Version wird der Start mit sechs Feststoff-Zusatztreibsätzen verstärkt. Vier davon zünden am Boden, zwei weitere nach 25 Flugsekunden. 16 Minuten und 40 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe war der Absetzorbit, eine sonnensynchrone, polare Erdumlaufbahn in etwa 620 Kilometern Höhe, für Cartosat 2F und den größten Teil der Kleinsatelliten erreicht.

Als erstes Raumfahrzeug wurde, 42 Sekunden nach dem Brennschluss der vierten Stufe des Trägers, der 710 Kilogramm schwere Cartosat 2F abgesetzt. Der größte Teil der Sekundärnutzlasten folgte dann in Abständen von jeweils etwa 10 Sekunden. 58 Minuten und 18 Sekunden nach dem Liftoff führte die vierte Stufe ein zweites Brennmanöver durch, um das Perigäum der Flugbahn abzusenken. Noch einmal 46 Minuten und 36 Sekunden darauf folgte eine dritte Zündung, um auch das Apogäum abzusenken. 37 Sekunden danach wurde der letzte Satellit (Mikrosat TD) abgesetzt. Das Gesamtgewicht aller Kleinsatelliten betrug 613 Kilogramm.

Bild: PSLV-XL Trägerrakete vor dem Start; Credit: ISRO