Eine Trägerrakete des Typs Atlas 5 der United Launch Alliance brachte am 15. Oktober eine geheime Nutzlast des National Reconnaissance Office (NRO) in den Orbit. Das Raumfahrzeug trägt die Bezeichnung NRO-L52, was nichts mehr besagt, als dass es der 52. Satellit dieser Behörde ist. Aufgabe, Zweck und technische Daten wurden nicht bekanntgegeben.

Die Mission begann um 13:28 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startanlage 41 der Cape Canaveral Luftwaffenbasis. Die bei ULA übliche Live-Übertragung des Starts ging auf Wunsch des Kunden nur bis zum Abwurf der Nutzlastverkleidung. Danach wurde abgebrochen, damit für die Beobachter keine Rückschlüsse auf die Art der Nutzlast möglich waren. Allerdings kann man aus den Begleitumständen schon wichtige Informationen entnehmen. So ist zum Beispiel klar, dass es sich nicht um einen optischen- oder Radar-Bildaufklärer handeln kann, denn der Start erfolgte von Cape Canaveral aus. Von dort aus kann keine der dafür geeigneten polaren Umlaufbahnen angesteuert werden. Für solche Missionen werden die Startanlagen in Vandenberg, in Kalifornien, eingesetzt.

Die Flugbahn deutet auf einen äquatorialen Orbit hin, und somit handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen geosynchroner Orbit, den die Atlas ansteuerte. Dies wurde einige Tage nach dem Start durch die Bahnberechnungen unabhängiger Beobachter bestätigt, die ein Perigäum von etwa 1.100 Kilometern, ein Apogäum von 35.800 Kilometern und eine Bahnneigung zum Äquator von 18,7 Grad ermittelten.

Die verwendete Variante, die Atlas 5 421, deutet auf eine mittelschwere Nutzlast hin. Von den drei verfügbaren Fairing-Varianten mit vier Metern Durchmesser wurde bei diesem Einsatz die längste verwendet. Sie trägt die Bezeichnung XEPF (für: Extra Extended Payload Fairing). Alle diese Hinweise lassen den Schluss zu, dass es sich bei der geheimen Nutzlast um einen Satelliten der Quasar-Reihe handelt. Die Quasar-Einheiten sind Datenrelay-Satelliten, mit denen die Informationen anderer NRO-Raumfahrzeug in Echtzeit in die Einsatzzentrale übermittelt werden können. Bodenstationen sind damit unnötig.

Bild: Startposter der Mission NRO-L52; Credit: ULA