Wenn das Abenteuer Pause macht

Payload von Passepartout II Mit großen Erwartungen versammelten sich die Mitarbeiter des Projekts Passepartout II, das im Rahmen von PolAres durchgeführt wird, am Morgen des 19. Juli 08, um dann mittags schwer enttäuscht zu werden und abends mit neuen großen Erwartungen wieder auseinander zu gehen. Ein typisches ÖWF-Projekt - spannend von der ersten bis zur letzten Minute.

 Michael Taraba und Norbert Frischauf im Antennenwald
 Start! Willi Stumptner bereitet den ersten Start vor
 Zwischeninterview von Olivia Haider nach dem 1. Fehlstart - noch ist Norbert Frischauf guter Dinge
 Willi Stumptner und Michael Taraba bereiten die zweite Befüllung vor
 Da fliegt er! Leider ohne unsere schöne Kiste.

Der Plan war, einen Ballon in eine Höhe von zirka 35 Kilometern steigen zu lassen. Das ist eine Strecke, die man mit dem Auto auf der Autobahn gemütlich in einer Viertelstunde zurücklegt, zu Fuß wäre es eine geruhsame Halbtageswanderung. Senkrecht nach oben gerechnet befindet man sich dort in der Stratosphäre, wo der Himmel schwarz und die Krümmung der Erde zu sehen ist. Eine Kamera sollte das dokumentieren und live Bilder zur Erde funken. Spannende Sache also.

Als Norbert und ich nach der Anreise aus Wien um 9 Uhr das Observatorium am Lustbühel in Graz erreichten, waren sämtliche Vorbereitungen schon in vollem Gange. Sonnenschein, gute Stimmung, die Instrumente in der Payload und die Computerprogramme funktionierten, etliche Amateurfunker waren angereist und hatten ihre Instrumente aufgebaut um den Ballon mittels eines Trackingsignals zu verfolgen. Olivia, Haus- und Hofwebmasterin des ÖWF, war mit Videokamera bewaffnet und bereit, den Twitter mit Informationen zu füttern. Auch das österreichische Bundesheer scharrte schon in den Startlöchern - Teil der Payload war ein Radarreflektor, zwecks Verfolgung mit Radar. Die beiden Recoveryteams machten sich bereit zum Aufbruch, um anhand der Daten, die Bundesheer und Amateurfunker ihnen geben würden, die Payloadbox nach der Landung zu bergen. Auf dem Boden lag jede Menge weiße Plastikfolie, darunter der Ballon, davor eine Heliumflasche, vermeintlich fast voll.

Dann der erste Einschnitt - die Heliumflasche spuckte gerade mal genug Inhalt aus um ein Kilogramm zu starten - dann war sie leer. Willi meisterte die Herausforderung, an einem sonnigen Samstagvormittag in Graz zwei Flaschen Helium aufzutreiben. Eine Stunde später lief der Countdown weiter. Der Ballon wurde startklar gemacht, Fallschirm, Radarreflektor und Payload wurden befestigt, und ab die Post. Soweit so gut - wäre nicht die Leine an der Payload gerissen und die Box am Boden stehen geblieben. Lange Gesichter starrten dem Ballon hinterher, von den Kommentaren die zu hören waren will ich lieber schweigen.

Nach dem ersten Schock gingen alle die Liste an noch verfügbarer Ausrüstung durch. Ein zweiter Ballon war vorhanden, ein zweiter Fallschirm - zwar nur Kunststoff, keine Fallschirmseide, aber immerhin - ebenfalls, auch ein zweiter Radarreflektor, wenn auch kleiner. Man bräuchte also nur noch zwei weitere Flaschen Helium … Es war fünf vor zwölf. Willi winkte ab: “Das geht sich nie aus, bis wir dort sind, ist es mindestens halb eins.” Norbert: “Na und, ruf an, mehr als dass sie nein sagen kann nicht passieren.” Willi sülzte also ins Telefon und fuhr wenige Minuten später los, um Nachschub an Helium zu holen.

Die ganze Prozedur also nochmal, Ballon befüllen, Fallschirm und Reflektor anbringen, Payload startklar machen, diesmal an einer anderen Leine befestigt, man lernt ja, dann Start - und nochmal das gleiche Drama. Die Box blieb einfach am Boden stehen, weil die Leine riss. Diesmal war klar: der nächste Startversuch wird frühestens in einigen Wochen stattfinden, wenn das Leinenproblem gelöst ist. Wir bauten die Antennen ab, verstauten Kameras, Laptops und sonstige Gerätschaften, stellten den Ursprungszustand wieder her und trafen uns anschließend beim Sternwirt (nomen est omen) - es war inzwischen drei Uhr nachmittags, und kaum jemand von uns hatte überhaupt richtig gefrühstückt.

Dort gingen wir jeden Schritt des Starts nochmal durch und überlegten Lösungsmöglichkeiten. Und dazu fiel uns genug ein. Das Payloadteam freute sich sogar über die Möglichkeit, an den Instrumenten und Programme noch ein paar Verbesserungen vornehmen zu können, die vorher aus Zeitmangel nicht gemacht worden waren. Die Stimmung beim Aufbruch war also wieder sehr optimistisch - wir sind froh, dass die Payload zumindest unbeschädigt ist und freuen uns auf den nächsten Start, der noch besser geplant sein wird als die ersten beiden.

Stay tuned: www.oewf.org, www.polares.org

Nox