SwissIn Europas Hose ist es in Sachen Privater Raumfahrt ziemlich tot. No money, no love. Stattdessen eine gepflegte Verbotskultur und Bedenkenhuberei. Und der Umstand dass man "Private Raumfahrt" in europäischen Zulassungsinstitutionen sowieso als Nicht-Existent betrachtet. Und der Tatsache, dass sich von den möglichen Regulierungsinstitutionen (und davon gibt es in Europa wie üblich nicht wenige) von vorneherein niemand als zuständig betrachtet. Die Methode hat die Wirkung, die sie auch haben soll. Das hier und da schüchtern aufkeimende kleine Pflänzchen "Private Raumfahrt" verdorrt regelmäßig auf der Stelle wieder. Versuche in dieser Richtung etwas aufzubauen sind beispielsweise mit dem deutschen  "Project Enterprise" in Magdeburg gescheitert (sie versuchen es jetzt in Malaysia, viel Glück dabei) und die Britische Starchaser Industries, die sich jetzt für ihre Versuchsflügen in den USA umsieht.

Unternehmern wie Richard Branson war das von vorneherein klar. Ihm wäre es nicht im Traum eingefallen, so etwas wie SpaceShipTwo in Europa versuchen zu wollen. Einige wenige Projektgruppen, wie die rumänische ARCA sind noch nicht ganz tot. Was wohl daran liegt, dass man in ihrem Heimatland EU-Regularien bislang eher zögerlich umsetzt. Wird sich aber sicher auch noch ändern. Legendär in der Szene ist das Wort von Ex-EU Kommissar Günter Verheugen (SPD), der wissen ließ, dass die EU die private Raumfahrt keinesfalls zu fördern gedenke, denn das sei bekanntlich eine Spielerei für die Superreichen.

Dank Verheugen & Co ist ganz Europa somit "Private Raumfahrt-freie Zone". Ganz Europa? Nein, denn das kleine Helvetien leistet den Verhinderungsanstrengungen tapfer Wiederstand, dank einer ausgewogenen Diät aus Raclette und einem Zaubertrank namens Fendant, der den Sturheitspegel seiner Bewohner auf gleichmäßig hohem Niveau hält. Man sieht das daran, dass das Land sich auch in anderen Dingen nicht um den aktuell vorherrschenden EU-europäischen politisch korrekten Mainstream schert. Man macht, was man selber für richtig hält. Aus und basta, kann drum herum hyperventilieren, wer mag. Es ist in Deutschland beispielsweise praktisch unmöglich, eine Genehmigung für einen Raketenstart auf eine Höhe von mehr als 4.000 Meter zu erhalten. Kein Problem in der Schweiz. Oder wenn man mal eine richtige schöne militärisch/zivile Air-Show sehen will (jaja, ich weiß, gibt es gibt in der Steiermark alle zwei Jahre die "Air-Power"), die Schweiz bietet dafür mehrmals im Jahr gute Gelegenheiten.

Aber genug herumgeranzt, es ist an der Zeit das Augenmerk auf ein kleines aber feines Unternehmen der Privaten Raumfahrt zu lenken, das sich am Flugplatz von Payerne niedergelassen hat: Swiss Space Systems (kurz S3), das um seinen Gründer Pascal Jaussi und den Ex-Astronauten Claude Nicollier herum entstand. Nicollier ist übrigens der einzige Europäer, der viermal im Weltraum war. Wenn er sich nicht gerade um sein neues Unternehmen kümmert, dann kann man ihn gelegentlich mit einer 60 Jahre alten Hawker Hunter um den Payerner Flugplatz düsen sehen (und jetzt stellen Sie sich mal vor, welchen Aufschrei der hochempörten Medien es hierzulande gäbe, wenn Ulf Merbold in einem alten Starfighter der Bundeswehr sowas, in, sagen wir mal, Nörvenich, machen würde. Mal ganz abgesehen davon, dass es keinen Starfighter in flugfähigem Zustand gibt).

Das Geschäftsmodell der rührigen Schweizer ist dasselbe - und das ist eine kleine Schwachstelle - welches auch Virgin Galactic mit seinem Launcher One verfolgt, nämlich den Start von Nutzlasten bis 250 Kilogramm mittels einer zweistufigen Trägerrakete die von einem Flugzeug abgesetzt wird. Das Flugzeug ist in diesem Fall natürlich nicht der WhiteKnightTwo sondern ein modifizierter Airbus A300. Der Träger soll aber zumindest teilweise wiederverwendbar sein, anders als bei den Amerikanern.

Ansonsten sieht der Laden von vernünftigen Leuten vernünftig organisiert und vor allem vernünftig finanziert aus. Derzeit stecken etwa 250 Millionen Schweizer Franken in der Idee und es arbeiten 60 Leute direkt bei S3 und weitere 140 bei den Partnerunternehmen. Das wichtigste aber ist: Das Projekt hat die volle politische Unterstützung. Hierzulande undenkbar.

Bald gibt es an dieser Stelle mehr und vor allem Aktuelles zu S3, denn da hat sich die letzten Tage was Interessantes getan.