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Lunar Real EstateWir haben ja schon  vor ein paar Tagen beim "Federal Aviation Administration Office of Commercial Space Transportation"(AST) vorbeigeschaut. In dem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass dort noch eine weitere interessante Sache auf dem Tisch liegt.Robert Bigelow, Gründer und Präsident von Bigelow Aerospace, hat nämlich einen Vorstoß ganz besonderer Art gemacht. Er ist der Meinung, und hat dies schon davor bei etlichen Gelegenheiten vertreten, dass die Festlegung von Eigentumsrechte an außerirdischen Grundstücken von essentieller Bedeutung sind für die Raumfahrtindustrie jenseits des niedrigen Erdorbits. Vor allem geht es ihm darum, von der AST klären zu lassen, ob seine geplanten Mondhabitate ein Operationsgebiet zugewiesen bekommen können, in das keine anderen Personen oder Parteien Zugang haben.

Ohne Klärung der Eigentumsrechte, so Bigelow, wird sich der Privatsektor niemals in den Weltraum jenseits der niedrigen Erdumlaufbahn aufmachen. Firmen und ihre Finanziers müssen die Sicherheit haben, dass sie die Früchte ihrer Arbeit auf dem Mond oder anderen Himmelskörper auch tatsächlich ernten können. Sie müssen sicher sein können, dass ihnen das „Land“, das sie erforscht und entwickelt haben, und das sie in der Lage sind zu nutzen, auch gehört.

Bigelow hofft, dass seine Anfrage als Auslöser für eine Diskussion über Eigentumsrechte an "Liegenschaften" im Weltraum dient. Sollte die  AST den Gendanken seiner "Nutzungszone" aufgreifen und auf dieser Basis Startlizenzen an US-Firmen vergeben, dann erwartet Bigelow, dass auch andere Raumfahrtorganisationen diesem Beispiel folgen werden. Dies könnte dann der Startpunkt der kommerziellen Nutzung des erdfernen Weltraums werden.

Bigelow geht es zunächst um die Ausbeutung von Bodenschätzen auf dem Mond oder die Nutzung dort vorkommender anderer natürlicher Ressourcen (wie etwa der niedrigen Schwerkraft für medizinische oder rekreative Zwecke, Sonnenenergie für Solarfarmen etc). Gerade an Bodenschätzen liegt auf dem Mond einiges herum,von Interesse sein könnte. "Normale" Metalle in hohen Konzentrationen (Aluminium, Titan), seltene Erden (Tantal, Niob, Tellur), Material für künftige Kerfusions-Öfen (Helium 3) und ein Material, das fast noch kostbarer ist als all das zusammen: Wasser, in Form von Eis in den Tiefen dunkler Krater am Südpol und am Nordpol des Erdbegleiters, das als Treibstoff für Raumschiffe und als Lebensgrundlage für Mondstationen eingesetzt werden könnte. Bigelow betrachtet es als sinnvoller, diese Güter direkt auf dem Mond zu gewinnen, als auf irgendwelchen weit entfernten Asteroiden.Seine Begründung hat durchaus etwas für sich: Der Mond wurde seit Jahrmilliarden von unzähligen Asteroiden und Kometen bombardiert. Es dürfte somit kein Asteroiden- oder Kometenmaterial geben (von organischer Materie einmal abgesehen) das nicht schon irgendwo auf dem Mond herumliegt.

In seiner Anfrage forderte Bigelow die AST auf, ein "Operationsgebiet" um die Landestelle zu definieren, die von anderen US-Unternehmen nur mit der Erlaubnis von Bigelow betreten werden dürfe. Diese Zone sollte "organisch" sein. Das heißt, sie würde in der Abhängigkeit von den Umständen (ob es eine Nutzung durch Robots oder durch eine menschliche Crew wäre) wachsen oder schrumpfen können. Dabei könnte sie durchaus auf das Gebiet beschränkt sein, das Bigelow (oder jemand anders) von seinem Mondmodulen aus erreichen und ausbeuten könnte. .

Bigelow ist überzeugt davon, dass so eine Operationszone in das Regelwerk des "Outer Space Treaty" passt, den die Vereinigten Staaten im Jahre 1967 abgeschlossen haben (machen Sie sich selbst ein Bild). Der "Outer Space Treaty" geht allerdings nicht auf wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten ein.  Diese Frage kam erst 1979 mit dem „MoonTreaty“ in die Diskussion. Darin sind kommerzielle Aktivitäten von Privatunternehmen verboten, was der Grund war, warum ihn die USA (und die meisten anderen Staaten) nicht unterzeichneten.

Das Abkommen war seinerzeit vor allem auf Initiative Frankreichs ins Leben gerufen worden, damit die "Mond-Habenichtse" (also den Ländern, die gar nicht erst in der Lage waren, den Mond zu erreichen oder gar dessen Bodenschätze auszubeuten) verhindern konnten, dass die "entwickelten" Raumfahrtnationen den Mond nach ihrem Gutdünken alleine nutzen können. Dieser Neid-Gedanke war so offensichtlich, dass eine breite Zustimmung zu diesem internationalen Abkommen (ab Seite 27) nie erreicht werden konnte. Nur 15 von derzeit 192 UN-Mitgliedern sind ihm beigetreten und nur ganze sieben Nationen haben das Papier ratifiziert, allesamt Länder, die wohl bis zum Ende ihrer Tage nie den Mond aus eigener Kraft erreichen oder gar wirtschaftlich ausbeuten können.