Header

BeemerVielleicht erinnert sich noch die eine oder der andere: CNN war mal ein halbwegs respektabler Fernsehsender. Allerdings habe ich mich immer schon gefragt, wozu zum Teufel man unbedingt ein so genanntes „Business Weather“ braucht, wenn man doch eh drinnen im Büro ist, und warum bei jedem einzelnen Beitrag diese saublöden Börsenkurse am unteren Bildschirmrand mitlaufen müssen. Aber dann haben sie Miles O’Brien gefeuert und ich hab ich nie wieder reingeschaut, außer zwei drei Mal aus purer Verzweiflung, wenn auf irgendeiner Dienstreise CNN der einzige Sender war, dessen Sprache ich halbwegs verstanden hab.

Dennoch besuchen wir heute CNN, denn wir sind auf der Suche nach der ultimaten Tiefstleistung auf der nach unten offenen Müll-Skala des Journalismus. Gleichzeitig kommen wir damit und zum ersten Beitrag in unserer neuen Kolumne mit dem Titel "Bockmist zur Privaten Raumfahrt", oder einfach: "Bockmist". Dazu öffnen Sie bitte diesen Link und lassen sich zunächst von dem Filmchen berieseln.

Wenn Sie sich den Filmbeitrag nicht antun wollen, hier eine Zusammenfassung der Handlung: Army-Oberleutnant ("Oberleutnant" kann man nicht "gendern", sorry Mädels, seid in dem Fall froh drum) Heidi Beemer ist sich sicher, 2025 mit Mars One zum Mars zu fliegen.

Alles? Ja doch, das war's schon mit Handlung. Zum Filmchen gibt es folgende begleitende Meldung.

Army Officer Heidi Beemer has been the first finalist selected to travel to Mars with the Mars One mission– a project that aims to establish a small colony of humans on the red planet by 2025. If Heidi goes, she will be one of 24 people who will leave Earth FOREVER to live, research and experiment on Mars. We talked with Heidi about her brave ambition to take on this project and if she has any fears of leaving her friends and family for this miraculous mission.

Nunjaalso. Die Wahrscheinlichkeit, mit Mars One auch tatsächlich zum Mars zu kommen ist, wir hatten das schon mal, in etwa genauso groß wie die Wahrscheinlichkeit, dass Mariä Empfängnis und Mariä Himmelfahrt auf denselben Tag fallen. Doch selbst für diese reichlich unwahrscheinliche Koinzidenz ist Oberleutnant Beemer keineswegs gesetzt. In Bas Landsdorps Terminologie bedeutet „Finalist“ nämlich, dass sie sich jetzt unter gut 1.000 Kandidaten befindet, aus denen die endgültige Wahl im Rahmen publikumswirksamer Reality-Shows getroffen werden soll. Das ist bekanntlich der international gültige Auswahlstandard für Astronauten.

2025, wenn der Start stattfinden soll, wird…nun…man kann es nicht anders sagen…eben kein Start stattfinden. Mars One wird bis dahin nicht mehr existieren, wenngleich ich es für möglich halte, dass der Kern der Idee in der einen oder anderen Form fortbesteht. Die Zahl 24 ist sowieso reiner Blödsinn, selbst Mars One spricht nur von 4 Leuten. 26 Monate später von weiteren 4 und so weiter, ohne aber nach ausgerechnet sechs Zyklen aufhören zu wollen. Wie auch immer: Heidi Beemer hat viel Zeit, eine Familie zu gründen, viele Kinder zu bekommen, aufwachsen zu sehen, Großmutter zu werden und eines fernen Tages – hoffentlich mit sich selbst und der Welt Reinen - in die ewigen Jagdgründe einzugehen. Den Mars wird sie allerdings nie betreten haben. Sorry Heidi.

Und nun zum "Business-Weather".

Bild: Bleibt ein Traum - Heidi Beemer an Bord des US SpaceShip Entenweich auf dem Weg zum Mars