NewtonDie Triebwerke „NewtonOne“ und „NewtonTwo“  werden eigentlich für das zweite Produkt von Virgin Galactic entwickelt, den "LauncherOne". „Launcher One“ ist ein zweistufiger Satellitenträger, der in das Marktsegment der Orbital Sciences Pegasus einsteigen soll. Allerdings zu einem Preis, der nur ein Drittel so hoch sein soll, wie der der vierstufigen Pegasus. Das Startprinzip ist aber dasselbe. Ein Trägerflugzeug (bei Virgin der „WhiteKnightTwo“) transportiert die Rakete auf Abwurfhöhe. Dann erfolgt die Freigabe der Rakete, Zündung des Triebwerks und der Flug in eine Umlaufbahn.

Und so funktioniert das. Für die Fans von Sir Richard, die sich nicht für Raumfahrt interessieren: Bitte nur die erste Minute des Einführungsfilms anschauen. Für die Raumfahrtfans: Vergesst das Geschwurbel der ersten 60 Sekunden, interessant wird es erst ab Minute zwei. Launcher One soll ab dem nächsten Jahr fliegen, allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass sich Sir Richard „leicht verschätzt“, lassen wir es also eher 2016 werden.

Immerhin, die beiden Triebwerke des LauncherOne kommen in der Entwicklung gut voran. Beide werden, ganz klassisch, mit flüssigem Sauerstoff als Oxidator und RP1 (gereinigtes Kerosin) als Treibstoff betrieben. Der eine Motor ist die Antriebseinheit der Zweitstufe und leistet 15,6 Kilonewton. Das ist für SpaceShipTwo derzeit nicht brauchbar (es gäbe allerdings denkbare Anwendungen). Gut passen würde vor allem das Erststufentriebwerk des LauncherOne, denn das leistet 210 Kilonewton. Der gegenwärtig eingesetzte „RocketMotorTwo“ bringt 270 Kilonewton Schub. Das maximale Startgewicht von SS2 liegt bei ziemlich genau zehn Tonnen. Damit ist auch für das Flüssigkeitstriebwerk die Leistungsreserve mehr als ausreichend, um einen vertikalen Steigflug durchführen zu können.

Der um knapp 30 Prozent geringere Schub des LauncherOne-Triebwerks sieht zunächst ungünstiger aus, aber mit seiner wesentlich höheren Impulsleistung des und zusätzlich längerer Brenndauer kann das mehr als ausgeglichen werden. Das Problem ist allerdings, dass es einiger konstruktiver Änderungen bedarf, damit SS2 statt des Hybridtriebwerks ein rein flüssigkeitsbetriebenes Triebwerk aufnehmen kann, das obendrein eine kryogene Komponente hat. Die erste Baueinheit von SpaceShipTwo, VSS-Enterprise, die sich gegenwärtig im Test befindet, dürfte dafür nicht geeignet sein. Die zweite Einheit, die VSS Voyager könnte dagegen schon dafür eingerichtet werden.

William Pomerantz, Bransons Vizepräsident bei Virgin Galactic, sagte zu den Spekulationen über dieses Thema: „Gegenwärtig ist es nicht geplant, die Triebwerke der Newton-Reihe für das SpaceShipTwo zu verwenden“. Im recht subitilen "Firmensprech" von Virgin Galactic (die nehmen wir mal separat durch) bedeutet  das: “Wir denken intensiv darüber nach, wie wir das möglichst bald auch bei SpaceShipTwo einführen können”.

Twitter: @DerOrion1