Northrop Grumman brachte am 11. Oktober an Bord einer Pegasus XL den NASA-Forschungssatelliten ICON in eine niedrige Erdumlaufbahn. Der Start erfolgte über der Eastern Test Range vor der Küste Floridas. Das Trägerflugzeug, das die Rakete absetzte, eine modifizierte Lockheed L1011, war eine knappe Stunde vor dem Abwurf der Pegasus vom "Skid Strip" der Luftwaffenbasis Cape Canaveral aus gestartet. Die so genannte "Absetz-Box", die das Flugzeug mit der Rakete unter dem Bauch ansteuerte, lag 160 Kilometer ost-nordöstlich von Cape Canaveral. Es war der 44. und möglicherweise letzte Flug einer Northrop Grumman Pegasus XL.

Die Mission begann nach einer langen Folge von Startverzögerungen, die sich auf insgesamt eineinhalb Jahre kumulierten. Im Juni 2018 war während der Überführung von Trägerflugzeug und Rakete zum damals vorgesehenen Startort, dem Kwajalein-Atoll im Zentralpazifik, ein Fehler an einem Aktuator einer der drei Steuerflächen der Pegasus festgestellt worden. Den Flug hatte man genutzt, um die Bordelektronik der Trägerrakete zu testen. Während eines Überführungsfluges sind die Aktuatoren verriegelt. Bei diesem Test zeigte die Telemetrie aber die Bewegung eines der Aktuatoren an. Der Fall wurde bei einer Zwischenlandung in Hawaii näher untersucht. Das Problem konnte aber nicht behoben werden. Schließlich entschied man sich, wieder zurück nach Kalifornien zu fliegen, um dort die rätselhafte Sache in aller Tiefe zu untersuchen. Die Fehlerbeseitigung brachte weitere Probleme mit sich, vor allem mit der Batterie, welche die Aktuatoren mit Strom versorgt. So kam es zu weiteren Verzögerungen bis zum Oktober 2018.

In der Zwischenzeit hatte man auch die Abwurfzone geändert. Statt über dem Kwajalein-Atoll sollte es nun die Eastern Test Range in Florida sein, die von Cape Canaveral aus angeflogen werden kann. Dort traf die Stargazer mit ihrer wertvollen Fracht im Oktober 2018 ein. Dort tauchten aber weitere Probleme auf, dieses Mal mit der Elektrik. Nach einigen Wochen vergeblicher Reparaturversuche kehrte die Stargazer mit der Pegasus mitte November wieder nach Kalifornien zurück, wo es fast ein Jahr dauerte, bis man den Fehler aufgespürt und repariert hatte.

Nun aber verlief endlich (fast) alles nach Plan, sieht man von einem Kommunikations-Dropout und einer letzten Verschiebung um 30 Minuten einmal ab. Der Abwurf der 24 Tonnen schweren Pegasus vom Lockheed L-1011 "Stargazer"-Trägerflugzeug fand 3:59 Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit in einer Flughöhe von 12.000 Metern statt. Fünf Sekunden später zündete das Triebwerk der ersten Stufe, und wenige Minuten später war die Nutzlast im vorgesehen Orbit in exakt 569 Kilometern Höhe angekommen. Die Inklination zum Äquator lag bei 27 Grad.

Diese Nutzlast besteht aus dem Ionospheric CONnection Explorer (oder kurz: ICON), der die Interaktionen zwischen der Ionosphäre, den irdischen Wettersystemen und dem so genannten Weltraumwetter, das von der Partikelstrahlung der Sonne bestimmt ist, untersuchen soll. Der etwa kühlschrankgroße ICON gehört zum Explorer-Programm der NASA, dem ältesten Forschungssatellitenprogramm der Raumfahrgeschichte. Es geht zurück bis Explorer 1, der im Januar 1958 startete.

Der 288 Kilogramm schwere ICON ist der insgesamt 96. Satellit der Explorer-Serie und der 16. dieser Reihe, die mit einer Pegasus gestartet wurde. ICON wird im Auftrag der NASA von der Universität von Kalifornien in Berkeley betrieben. ICON basiert auf dem LEOStar-2 Bus von Northrop Grumman.

Bild: ICON Satellit, Credit: Northrop Grumman