Russland führte am 10. Juli einen überraschenden Orbitalstart durch, bei dem vom nordrussischen Weltraumbahnhof Plesetzk aus vier klassifizierte Satelliten auf eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht wurden. Für die Mission wurde die relativ selten eingesetzte Sojus 2.1v Volga verwendet, ein Träger der unteren Mittelklasse. Der Start kam insofern überraschend, weil es auch in Russland in den letzten Jahren üblich war, militärische Starts lange im Vorfeld anzukündigen.

Wie nachträglich bekannt wurde, hatten die russischen Streikräfte allerdings in aller Stille bereits Tage zuvor eine so genannte „Notam“ (Notice to Airmen) herausgegeben, eine Warnanzeige an Flugzeugbesatzungen und Schiffe über potentiell gefährliche Bereiche durch herabfallende Raketenstufen. Insofern wurden die internationalen Gepflogenheiten genau eingehalten.

Die Mission begann um 19:14 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Startort war die Rampe 43/4 in Plesetzk, von der aus bislang alle Starts dieses Trägertyps erfolgten. Die erfolgreiche Trennung aller vier Satelliten von der Oberstufe wurde vier Stunden später bestätigt.

Über den Zweck der vier Raumfahrzeuge gab es keine weiteren Verlautbarungen. Vermutet werden Satelliten der Nivelir-Serie, die zum russischen Weltraum-Überwachungsprogramm gehören. Diese Satelliten sind hoch beweglich, und können im Orbit andere Satelliten inspizieren. Die russischen Streitkräfte, die den Start durchführten, gaben den Raumfahrzeugen die Bezeichnungen Kosmos 2535, 2536, 2537 und 2538. Das sind simple Zählnummern, die keine Aussagen zu Typ und Aufgabe des Satelliten zulässt.

Einige Tage nach dem Start wurde von NORAD die Absetzbahn bekannt gegeben. Sie liegt in 620 Kilometern Höhe bei einer Inklination von 97,88 Grad. Es handelt sich also um einen polaren, sonnensynchronen Orbit. Außerdem ist die Bahn der vier Einheiten recht ähnlich derjenigen von Kosmos 2519, 2521 und 2523. Die neuen Satelliten scheinen auch auf derselben Frequenz im S-Band zu senden, wie diese früheren Einheiten, deren Einsatzzweck ebenfalls nicht genau bekannt ist.       

Die Sojus 2.1v Volga ist ein dreistufiger Träger, der technisch auf der Sojus 2.1b basiert. Mit einigen bedeutenden Ausnahmen allerdings. So verfügt die Rakete nicht über die vier typischen Booster, die bei den Standard-Sojus Varianten die erste Stufe ausmachen. Die Zentralstufe wird auch nicht von einem RD-108A Triebwerk angetrieben, wie bei den „normalen“ Sojus, sondern von einem einzelnen NK-33, das noch auf das Programm der gescheiterten N1-Mondrakete zurückgeht. Der Flug am 10. Juli war der fünfte Einsatz einer Sojus 2.1v, und der vierte, bei dem eine Volga-Oberstufe zum Einsatz kam, die ihrerseits auf dem Antriebssystem der Yantar-Spionagesatelliten basiert.

Bild: Start der Sojus 2.1v "Volga" von Plesetzk aus; Credit: VKS