Eine Erstleistung für die chinesische Raumfahrt war am 5. Juni der Start einer Trägerrakete des Typs Langer Marsch 11 von einer Meeresplattform. Die Langer Marsch 11 basiert auf der mobilen Interkontinentalrakete DF-31 und startet im so genannten „Kaltstartverfahren“. Das bedeutet, dass sie mit einer Kartusche aus einem zylindrischen Transportbehälter ausgeworfen wird, und erst in der Luft zündet. Dieses militärische Startverfahren sieht in hohem Maße spektakulär aus, denn die quasi „hochgeworfene“ Rakete scheint zunächst in 30 Meter Höhe für einen Moment stillzustehen, bevor der Feststofftreibsatz der ersten Stufe zündet. Die Prozedur ist in diesem Film gut zu erkennen.

Startort der Mission war eine unbemannte, 110 x 80 Meter große Hochseeplattform, die vor die Küste der chinesischen Provinz Shandong geschleppt worden war. Diese Plattform wird als „halbversenkt“ bezeichnet und soll eine Größe von 25.000 Bruttoregistertonnen haben.

Die Mission diente neben dem primären Zweck des reinen Satellitentransports auch als Demonstration für Starts von Hochseeplattformen aus. Dies würde es zukünftig ermöglichen, Raumfahrzeuge ohne massiven Energieaufwand auf äquatornahen Bahnen abzusetzen. Zusätzlich hat das Verfahren den Vorteil, dass die abgetrennten Antriebsstufen nicht auf bewohntes Gebiet fallen. Dies stellt bei dreien der vier chinesischen Startzentren einen latenten Gefahrenherd für die Bevölkerung dar, und macht immer umfangreiche Evakuierungen notwendig.

Die beim Start 58 Tonnen schwere Langer Marsch 11 ist in der Lage, eine Nutzlast von etwa 350 Kilogramm auf einen sonnensynchronen polaren Orbit in 700 Kilometern Höhe zu transportieren. Das Gesamtgewicht der aktuellen Nutzlast, die auf eine Kreisbahn in 600 Kilometern mit 45 Grad Neigung zum Äquator gebracht wurde, ist nicht bekannt.

Bei der Mission wurden sieben Kleinsatelliten in den Orbit befördert. Dabei handelt es sich um zwei institutionelle Technologiesatelliten und fünf kommerzielle Kleinnutzlasten. Bei Ersteren handelt es sich um Bufeng-1A und Bufeng-1B, die von der chinesischen Akademie für Raumfahrttechnologie (CAST) entwickelt und gebaut wurden. Diese beiden Einheiten sollen in Formation fliegen und dabei die Windströmungen über den Ozeanen untersuchen.

Bei den anderen Raumfahrzeugen handelt es sich um

  • Xiaoxiang-1-04 der Spacety Aerospace Corporation, einem 6 Standardeinheiten großen Cubesat (mit vermutlich etwa 6-10 Kilogramm Gewicht). Der Satellit erzielt eine Bildauflösung von fünf Metern pro Bildpunkt bei einem erfassten Geländestreifen (Schwadbreite) von 80 Kilometern.
  • Tianqi-3 ist ein experimenteller Kommunikationssatellit für niedrige Erdumlaufbahnen. Tianqi-2 ist noch am Boden, und soll Ende Juni beim Erstflug der Jielong-1 Rakete gestartet werden, einem weiteren Feststoffträger für kleine Nutzlasten.
  • Tianxing 1A und 1B sind zwei Raumfahrzeuge der China Electronics Technology Group Corporation/CETGC. Die beiden Vehikel sollen Ka-band Kommunikationsverbindungen zwischen Kleinsatelliten testen.
  • Und schließlich Jilin-1 High Resolution 03A, die neueste Einheit der Jilin-1 Erdbeobachtungskonstellation. Bei einer Masse von 42 Kilogramm hat er ein Bildauflösungsvermögen von einem Meter bei einer Schwadbreite von 17 Kilometer.

Bild: Die Rakete wird im Hafen auf die Hochseeplattform verladen; Credit: CCTV