Starts der Proton sind in den letzten Jahren relativ selten geworden. Früher wurde dieser Trägertyp bis zu einem dutzend Mal pro Jahr eingesetzt. Die fragwürdige Zuverlässigkeit der Rakete hat in den letzten Jahren fast alle internationalen Kunden verschreckt. Nationale russische Kunden sind aber verpflichtet, diesen Träger weiter zu verwenden. Und so kam er beim Start des russischen Kommunikationssatelliten Yamal 601 wieder einmal zu einem Einsatz. Es war der erste Start einer Proton M seit Dezember 2018 und der insgesamt 419. Start einer Proton überhaupt, seit ihrem Debut im Jahre 1965.

Der Start erfolgte am 30. Mai um 19:42 Uhr mitteleuropäischer Zeit (entsprechend 22:42 Uhr kasachischer Ortszeit) an der Startanlage 200/39 des Weltraumbahnhofs Baikonur. Im Proton-üblichen langen Startverfahren mit mehreren, über Stunden getrennten, Brennmanövern der Breeze-M Oberstufe wurde der Satellit schließlich neun Stunden und 13 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe, um 4:55 Uhr mitteleuropäischer Zeit, auf einer geostationären Transferbahn mit einem Perigäum von 6.423 Kilometern, einem Apogäum von 35.726 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 17,8 Grad abgesetzt. Von dieser Übergangsbahn aus wird Yamal 601 mit seinem Haupttriebwerk die endgültige Position auf 49 Grad östlicher Länge ansteuern. Er wird nach seiner Indienststellung die bevölkerungsreichsten Zonen Russlands bis hin nach Westsibirien mit Kommunikationsdienstleistungen versorgen.

Obwohl Yamal 601 der „Gazprom Space Systems“ gehört (einer Tochter des Öl-Giganten Gazprom), wurde die Mission dennoch als Regierungsmission betrachtet, mit dem verpflichtenden Einsatz der Proton M als Trägerrakete.

Der Satellit wurde von Thales Alenia Space in Frankreich auf Basis der Spacebus 4000C4-Plattform konstruiert und gebaut. Voll betankt wiegt Yamal 601 etwa 5.400 Kilogramm. Er trägt 18 C-Band Transponder und 32 Ka-Band Transponder. Yamal 601 wird Yamal 202 ersetzen, der im Jahre 2003 gestartet worden war.

Bild: Vorbereitung der Proton M Briz M für den Start; Credit: Roskosmos