Am 1. April schickte Indien seinen EMISAT-Spionagesatelliten auf eine polare, sonnensynchrone Erdumlaufbahn. Startort war die Rampe 2 des Satish Dhawan Raumfahrtzentrums auf der ostindischen Insel Shriharikota. Als Träger wurde eine Rakete des Typs PSLV-QL eingesetzt. Die Version QL ist eine neue Variante dieses indischen Standardträgers, der bei diesem Einsatz seinen 47. Flug erlebte, und den es nunmehr in vier Versionen gibt. Als XL mit sechs Feststoff-Zusatzboostern, als QL mit vier Boostern, als DL mit zwei Boostern und als CA ohne Zusatzraketen für die Startunterstützung. In diesem Fall steht das "CA" als "Core Alone". Es gab bislang auch noch die PSLV-G, ebenfalls mit sechs Boostern wie die XL ausgerüstet, diese aber in einer schwächeren Variante.

Bei der primären Nutzlast handelt es sich um EMISAT, einen 436 Kilogramm schweren militärischen Aufklärungssatelliten für die Indische Defence Research and Development Organisation (DRDO). Entwickelt und produziert wurde das Raumfahrzeug von der indischen Raumfahrtagentur ISRO und basiert auf der Mini Satellite 2 (MIS-2) Plattform, die mit zwei Solarzellenauslegern mit zusammen 800 Watt Leistung ausgerüstet ist. Offiziell wird der Satellit zur "Messung des elektromagnetischen Spektrums" eingesetzt, was irgendwo auch richtig ist, wenn man sich den (vermuteten) Hauptzweck vor Augen hält: Electronic Intelligence, oder kurz ELINT, also das militärische Ausspähen von Radiosignalen.

Die Mission begann um 5:57 Uhr mitteleuropäischer Zeit, entsprechend 9:27 Uhr Ortszeit. Gut 17 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe, und einem ersten Brennmanöver der vierten Stufe, wurde EMISAT auf Bahn in 780 Kilometern Höhe bei einer Bahnneigung zum Äquator von 98,4 Grad. freigegeben. Danach folgte eine Phase freier Drift, bevor die vierte Stufe gut eine Stunde nach dem Liftoff eine weitere Zündung durchführte, das Perigäum der Umlaufbahn absenkte, und die Inklination leicht änderte. In gut 500 Kilometern Höhe wurden dann innerhalb der nächsten sechs Minuten alle 28 Sekundärnutzlasten abgesetzt. In der darauf folgenden Stunde erfolgten erneut zwei Brennmanöver, welche die vierte Stufe mit drei an ihr befestigten Experimenten auf eine noch niedrigere Bahn in 485 Kilometern Höhe beförderte. Nach gut drei Stunden waren alle Bahnanpassungsmanöver abgeschlossen. Das Gesamtgewicht aller Nutzlasten betrug 670 Kilogramm.

Neben der Hauptnutzlast waren noch weitere 28 Kleinsatelliten an Bord. Alle sind auf Grundlage der Cubesat-Standards gebaut worden. 20 davon sind im Besitz von Planet Labs. Sie gehören zum "Flock 4a" der "Dove-Serie" und stellen die neueste Generation der Erdbeobachtungskonstellation von Planet Labs dar. Es handelt sich dabei um drei-Unit-Cubesats von jeweils knapp sechs Kilogramm Gewicht. Trotz ihres kleinen Formats sind sie in der Lage, Bilder von der Erdoberfläche mit einer Auflösung von nur drei Metern zu  machen. Bislang wurden schon über 300 dieser Mini-Satelliten gestartet.

Zu den 20 Doves kamen noch vier jeweils vier Kilogramm schwere Lemur 2-Satelliten für Spire Global. Bei ihnen handelt es sich ebenfalls um drei-Unit-Cubesats, die in Zusammenarbeit mit dem GPS-Netzwerk aktuelle Daten zur Beschaffenheit der Erdatmosphäre übermitteln.

Zwei Satelliten wurden von der litauischen Firma NanoSat für AST&Science hergestellt. Die beiden Einheiten sind jeweils etwa 10 Kilogramm schwere sechs-Unit-Cubesats. Sie tragen die Namen BlueWalker1 und M6P und testen die M6P-Plattform des Herstellers.

Kleinsatellit Nummer 27 ist der vier Kilogramm schwere Astrocast 0.2 der Schweizer Firma Astrocast. Ein drei-Unit-Cubesat, der sich nun im Orbit zu Astrocast 0.1 gesellen wird, der im Dezember mit einer SpaceX Falcon 9 gestartet wurde. Die beiden Astrocasts sind Prototypen für ein L-Band Kommunikationssystem.

Und schließlich befand sich noch AISTECHSAT-3 im Auftrag der AISTech aus Spanien an Bord. Dabei handelt es sich um einen zwei Standardeinheiten großen Prototypen für eine Konstellation von Schiff- und Flugzeug-Tracking Satelliten.

Nach der Freigabe der letzten Nutzlast manövrierte sich die Oberstufe in den finalen Orbit, wo sie von nun an als Forschungsplattform für die Experimente mit der Bezeichnung AIS (Autmatic Identification System), APRS (Automatic Packet Repeating System) und ARIS (Advanced Retarding Potential Analyzer for Ionospheric Studies) operiert. Sie soll in dieser Funktion bis zu sechs Monate aktiv bleiben können. Um das zu erreichen wurde die Stufe erstmalig mit Solarpaneelen ausgerüstet. Normalerweise werden Raketenstufen durch Batterien mit Strom versorgt, da sie im Regelfall nur Minuten bis maximal einige Stunden aktiv bleiben müssen.

Bild: Start der PSLV-QL mit EMISAT und 28 Cubesats; Credit: ISRO