Eine Trägerrakete des Typs Delta 4 der United Launch Alliance (ULA) brachte am 17. März den insgesamt 10. Wideband Global SATCOM (kurz: WGS 10) der US-Luftwaffe auf eine geostationäre Transferbahn. Für diese Satelliten-Typenreihe (Bezeichnung: WGS Block II-Follow-on) war es ursprünglich der letzte Start. Doch nun sieht es so aus, als würde die US-Luftwaffe, der Kunde des Raumfahrzeugs, noch zwei weitere Einheiten kaufen. Für die eingesetzte Trägerrakete, die Delta 4-Medium, war es der vorletzte Einsatz. Die WGS-Raumfahrzeuge sind Gefechtsfeld-Satelliten. Sie dienen der Funk- und Videoverbindung mit den Kampfeinheiten und sie übertragen Daten an und von Marschflugkörper und Drohnen direkt in die Kommandozentralen.

Die Mission begann um 1:26 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startanlage 37 der Luftwaffenbasis Cape Canaveral. Der Satellit löste sich 36 Minuten und 50 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe von der Centaur-Oberstufe. Danach hatte der Satellit einen leicht supersynchronen Transferorbit mit einem Perigäum von 435 Kilometern und einem Apogäum von 44.315 Kilometern erreicht. Die Bahnneigung zum Äquator betrug 27 Grad.

Die Rakete flog in der schwersten der drei Medium-Versionen, der Delta 4+ (5,4), in der sie von vier Northrop Grumman-Feststoffboostern beim Start unterstützt wird und über eine 5,1 Meter durchmessende Nutzlastverkleidung verfügt. Es war die achte Rakete, die in genau dieser Variante geflogen ist. Alle wurden dafür eingesetzt, WGS-Satelliten in den Orbit zu bringen (der erste WGS-Satellit wurde mit einer Atlas 5 gestartet). Insgesamt sind bislang 39 Delta 4-Raketen geflogen, davon 28 in den drei verfügbaren Varianten der Medium-Version. Nach dem Einsatz im Juli bestehen für die ULA weiterhin Aufträge für insgesamt fünf Delta 4 Heavy-Starts in den Jahren 2020 - 2024.

Der beim Start gut 6.000 Kilogramm schwere und etwa 400 Millionen Dollar teure WGS 10 wurde von Boeing gebaut. Der Satellit basiert auf der Boeing 702-Plattform und ist mit Ka-Band und X-Band-Transpondern ausgerüstet. Die Downlink-Sendeleistung beträgt maximal 11 Gigabit pro Sekunde. Die WGS-Satelliten sind mit einem kombinierten chemischen und elektrischen Antriebssystem für die Bahnanhebung und die Lageregelung ausgerüstet. Das erste Raumfahrzeug dieser Reihe wurde bereits 2007 gestartet. Zwei der 10 WGS-Satelliten wurden von anderen Ländern als den USA finanziert. Im Gegenzug können diese Länder das vollständige WGS-Netz nutzen. Eine Einheit wurde von Australien finanziert, eine zweite von einem Konsortium, dem Kanada, Dänemark, Luxemburg, die Niederlande und Neuseeland angehören.

Die definitiv letzte Delta 4 Medium soll nach gegenwärtiger Planung am 25. Juli dieses Jahres fliegen, und zwar in der Version Delta 4 (5,2). Danach bleibt für die absehbare Zukunft nur die Version Delta 4 Heavy im Einsatz, bei der jeweils drei Delta 4-Basisstufen kombiniert sind, und auf diese Weise einen Schwerlastträger bilden, der bis zu 27 Tonnen Nutzlast in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen kann.

Bild: Start-Emblem der WGS-Mission; Credit: USAF