Es war zwar der letzte Start des Jahres für den zentralchinesischen Weltraumbahnhof Xichang, aber noch nicht die letzte Orbitalmission des Jahres 2019 für China. Das Raumfahrzeug, das am 24. Dezember, um 15:53 Uhr mitteleuropäischer Zeit, entsprechend 0:53 Uhr zentralchinesischer Zeit, am 25. Dezember, an Bord einer Trägerrakete des Typs Langer Marsch 3C die Startrampe 3 des Weltraumzentrums verließ, wird von offiziellen chinesischen Medien als "Tongxin Jishu Shiyan (oder kurz: TJS) bezeichnet. Damit ist klar, dass es sich um die dritte Einheit in einer Serie experimenteller militärischer Mehrzwecksatelliten handelt, die im geostationären Orbit stationiert sind. Informell wird er deshalb als TJS-3 bezeichnet.

Über den Einsatzzweck des Raumfahrzeugs halten sich die chinesischen Offiziellen sehr bedeckt. Es gibt allerdings vage Hinweise darauf, dass es sich nicht um einen Kommunikationssatelliten handelt, denn als Hersteller wird SAST genannt, die "Shanghai Academy of Spaceflight Technology", die auf Militärtechnologie spezialisiert ist. Dieser Hersteller baut, zumindest bislang, keine Kommunikationssatelliten. Es gibt ein öffentlich zugängliches Dokument, das die Masse des Satelliten auf 2,7 Tonnen definiert (was zur Trägerrakete passen würde), dass er mit Ionentriebwerken ausgerüstet ist, und dass er unter anderem für Tests des Datenaustausches in Gruppen stationierter geostationärer Satelliten eingesetzt verwendet werden soll. Die nächsten Wochen werden also zeigen, ob sich TJS-3 zu einem - oder einer Gruppe - anderer Satelliten gesellt, um derlei Aktivitäten durchführen zu können.

Der Satellit erreichte etwa 25 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe den Absetzorbit, der ein Perigäum von 180 Kilometern aufwies, ein Apogäum von 35.812 Kilometern und eine Bahnneigung zum Äquator von 28,5 Grad.

TJS-1 war am 12. September 2015 gestartet worden. Auch bei ihm war zunächst der Einsatzzweck nicht bekannt. Erst später stellte  sich heraus, dass es sich um einen experimentellen Kommunikationssatelliten handelte, mit dem Breitbanddienste im Ka-Band erprobt wurden. Er verfügt aber auch ein X-Band Radarsystem, das mit einem großen Entfaltreflektor ausgerüstet ist.

Dieselbe Geheimniskrämerei entstand um TJS-2, der am 5. Januar 2017 gestartet wurde, und der auch als Huoyan-1 bezeichnet wurde.

Post Scriptum: Mitte Januar wurde bekannt, dass TJS-3 einen Subsatelliten abgesetzt hat, mit dem er seither gemeinsame Versuche unternimmt, wobei sich die Abstände beider Einheiten zueinander laufend verändern.

Bild: Start von TJS-3; Credit: Xinhua