Nur zwei Wochen nach dem fehlgeschlagenen Start der Sojus MS-10 Mission brachte eine weitere Sojus-Trägerrakete den russischen Aufklärungssatelliten Lotos S1 Nr. 804 in den Orbit. Während beim Start von Sojus MS-10 eine Sojus FG als Träger zum Einsatz kam, wurde beim aktuellen Start eine Sojus 2.1b verwendet. Beide Versionen sind aber bis auf wenige Details baugleich, so dass diesem Start eine gewisse Bedeutung hinsichtlich der Funktionalität des Sojus-Trägersystems, und eine mehr als normale öffentliche Aufmerksamkeit zukam.

Der Start des gut 6.000 Kilogramm schweren Satelliten gelang aber völlig problemlos. Die Rakete hatte um 2:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit von der Rampe 43/4 des nordrussischen Weltraumbahnhof Plesetzk ihre Mission begonnen, und ihre Nutzlast weniger als 10 Minuten später in den vorgesehenen niedrigen Erdorbit gebracht. Das Perigäum der elliptischen Umlaufbahn lag bei 240 Kilometern, das Apogäum bei 900 Kilometern, die Bahnneigung zum Äquator betrug 67,15 Grad. Von dieser Übergangsumlaufbahn aus wird Lotos S1 sein eigenes Antriebssystem verwenden, um den kreisförmigen Zielorbit in einer Höhe von 900 Kilometern zu erreichen.

Bei diesem Start wurde die vierte Einheit von Russlands neuem Funkaufklärungssystem „Liana“ gestartet. Liana umfasst zwei Satellitenfamilien, nämlich die Lotos- und die Pion-Satelliten. Bislang wurden allerdings ausschließlich Lotos-Einheiten in den Orbit gebracht. Bei den Pion-Satelliten, die speziell Marineüberwachung durchführen sollen, sind offensichtlich erhebliche Entwicklungsprobleme aufgetaucht. Hauptauftragnehmer für beide Satellitenfamilien ist das Design-Büro KB Arsenal, das auch die Aufklärungsnutzlast liefert. Die Plattform basiert auf den klassischen Yantar-Satelliten von TsSKB Progress. Die erste Einheit der Lotos-Satelliten wurde bereits im November 2009 gestartet. Das System wird von den russischen Streitkräften betrieben.

Nach dem erfolgreichen Start wird Lotos S1 Nr. 804, einer sowjetisch/russischen Tradition folgend, offiziell eine der für Militärisatelliten übliche Zählnummer erhalten und zukünftig als Kosmos 2528 bezeichnet werden.

Bild: Start von Lotos S1; Credit: VKS