Nur 39 Minuten, nachdem auf der anderen Seite der Erde eine Proton M-Trägerrakete mit einer militärischen Kommunikationsnutzlast startete, begann in Cape Canaveral die Mission des Planetensuchers TESS (für: Transiting Exoplanet Survey Satellite) mit einem perfekten Start auf einer SpaceX Falcon 9-Trägerraket. Die Mission begann um 0:51 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf der Startanlage 40, einem von zwei Startkomplexen, die SpaceX am Cape unterhält.

Die Nutzlast bei dieser Mission war der nur 362 Kilogramm schwere Weltraumobservatorium TESS, mit dessen geringem Gewicht die mächtige Falcon 9 an sich etwas unterfordert wäre. Das Raumfahrzeug wurde aber auf einen ungewöhnlichen Mond-Resonanzorbit mit hohem Geschwindigkeitsbedarf gebracht. Es wird zwei Monate dauern, und einen Vorbeilfug am Mond erfordern, bis TESS seine endgültige Bahn erreicht war. Damit die exakte Trajektorie erreicht werden konnte, war das Startfenster für diese Mission nur 30 Sekunden lang. Der "Arbeitsorbit" von TESS wird ein Perigäum von 108.400 Kilometern, und ein Apogäum von 376.300 Kilometern aufweisen und 40 Grad gegenüber der Bahnebene des Mondes geneigt sein. Auf dieser Bahn wird das Raumfahrzeug bei jeder Umkreisung, die der Mond um die Erde macht, zweimal unseren Planeten umkreisen, benötigt also für jede Erdumkreisung 13,7 Tage. Diese ungewöhnliche Bahn wurde deshalb ausgewählt, weil die Projektwissenschaftler möglichst ungestörte Beobachtungsbedingungen erreichen wollten. Eine Bahn, von wo aus die vier großen Kameras des Vehikels einen bestimmten Punkt im Himmel jeweils 27 Tage lang ohne Unterbrechungen beobachten, und dabei minimale Helligkeitsschwankungen von Sterne feststellen können.

Die nominelle Missionsdauer für TESS ist auf zwei Jahre festgesetzt. So weit in die Zukunft ist das Missionsteam finanziert. Wahrscheinlich wird das Raumfahrzeug aber wesentlich länger aktiv bleiben. Technisch sind bis zu 20 Jahre möglich. TESS wird etwa 200.000 Sterne unter die Lupe nehmen die weniger als 300 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt sind. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dabei zwischen 5.000 und 10.000 Exoplaneten entdeckt werden.

Als Träger für diese Mission wurde die letzte Falcon 9 Block 4-Trägerrakete eingesetzt. Nach ihr werden nur noch die Block 5-Modelle gebaut. Ungewöhnlich war, dass SpaceX schon vor dem Start bekanntgab, dass sie die erste Stufe dieser Rakete bei einer weiteren NASA-Mission im Sommer erneut einsetzen werde. Dies zeigt die Sicherheit, die das Unternehmen bei der Rückführung der Erststufen inzwischen gewonnen hat. Wie schon 23mal zuvor klappte auch dieses Mal die Landung des Boosters auf dem Bergungsschiff von SpaceX im Atlantik einwandfrei. Für die zweite Stufe waren zwei Brennmanöver erforderlich, um TESS eine Geschwindigkeit von 37.500 Kilometern pro Stunde mitzugeben. 49 Minuten nach dem Liftoff gab die zweite Stufe den Satelliten frei, der sich kurz danach bei der Bodenstation meldete.

Bild: Mission Patch TESS; Credit: SpaceX