Eine Trägerrakete der United Launch Alliance vom Typ Atlas 5 brachte am 15. April die AFSPC-11 (für: Air Force SPace Command 11) Mission der US-Luftwaffe auf den Weg. Dabei wurden zwei Nutzlasten direkt in einen geostationären Orbit transportiert, nämlich der Kommunikationssatellit CBAS (für: Continous Broadcast Augmenting SATCOM) und der Technologiedemonstrator EAGLE (für: ESPA-Augmented Geostationary Laboratory Experiment, wobei ESPA wiederum einen Nutzlastadapter des EELV-Programms bezeichnet).

Der Start erfolgte um 1:13 Uhr mitteleuropäischer Zeit, entsprechend 19:13 Uhr ostamerikanischer Ortszeit. Die Mission war dieses Mal besonders lang und komplex, weil die Atlas direkt eine geostationäre Umlaufbahn ansteuerte. Erst fünfeinhalb Stunden nach dem Verlassen der Startrampe konnte die Centaur-Oberstufe das AFPSC-11 Nutzlastpaket freigeben. CBAS hatte beim Start die obere Position eingenommen.

Für den Direkteinschuss in den geostationären Orbit waren drei Brennmanöver der Centaur- notwendig. Nach dem Ausbrennen der ersten Stufe, vier Minuten und 33 Sekunden nach Beginn der Mission, zündete nach einer vier Sekunden langen Freiflugphase das einzelne RL-10 Triebwerk der zweiten Stufe für eine erste Brennperiode von sechs Minuten und 12 Sekunden. Danach folgte eine Freiflugphase von sechs Minuten und 12 Sekunden, bevor eine zweite Brennperiode von fünf Minuten und 49 Sekunden Dauer begann. Danach war die Stufe mit der Nutzlast in einem geostationären Transferorbit angelangt- In den folgenden fünf Stunden und sechs Minuten stieg diese Orbitaleinheit auf den Gipfelpunkt der Bahnellipse. Dort führte die Centaur das dritte Brennmanöver durch, das zwei Minuten und 36 Sekunden dauerte, und setzte wenig später AFSPC-11 ab.

Für die Mission wurde die Atlas 5 in der schwersten verfügbaren Konfiguration - der Variante 551 - eingesetzt. Dieser Typ ist in der Lage, eine Nutzlast von etwa vier Tonnen direkt in den geostationären Orbit zu transportieren. Sie ist mit einer Fairing von fünf Metern Durchmesser ausgerüstet, und wird beim Start mit fünf Feststoff-Boostern unterstützt. Es war der 77. Start einer Atlas 5 und die achte, bei dem die Version 551 zum Einsatz kam. Alle Starts der Atlas 5 brachten ihre Nutzlasten in den Orbit. Allerdings kann eine dieser Missionen - sie fand bereits vor zehn Jahren statt - nur als Teilerfolg gewertet werden, denn damals wurden zwei Satelliten auf einer etwas zu niedrigen Umlaufbahn abgesetzt, konnten sich aber von da aus mit Bordmitteln auf den endgültigen Arbeitsorbit begeben.

Über die Satelliten der AFSPC-11 Mission ist relativ wenig bekannt. Man weiß nur, dass das militärische Satellitenkommunikations-Direktorat der US-Luftwaffe das CBAS-Programm leitet. Das ist dieselbe Organisation, die auch für die Wideband Global Satcoms (WGS) und das Advanced Extremely High Frequency (AEHF) Kommunikationsprogramm der US-Streitkräfte zuständig ist. In diesem Sinne wird der neue Satellit mit einiger Sicherheit ebenfalls in das militärische Kommunikationsnetzwerk eingegliedert werden.

Verbunden waren die beiden Nutzlasten durch das ESPA-System. Dieser Mechanismus erlaubt ein direktes Zusammenkoppeln zweier Satelliten, ohne einen zusätzlichen Nutzlastadapter in Anspruch zu nehmen, wie etwa das europäische Sylda-System.

EAGLE ist ein Trägersystem für verschiedene Nutzlasten.  Er basiert auf der ESPAStar-Plattform von Orbital ATK, das diesen Nutzlasten das Antriebssystem und die Stromversorgung zur Verfügung stellt. ESPAStar alleine wiegt zwischen 430 und 470 Kilogramm. Dazu kommen zusätzlich etwa 310 Kilogramm Treibstoff (Hydrazin). Der entfaltbare Solargenerator versorgt das System und seine Nutzlasten mit einer elektrischen Leistung von bis zu 1,2 Kilowatt. An der Außenseite des Adapterrings befinden sich Fixierpunkte, an denen bis zu sechs Nutzlasten von jeweils bis zu 180 Kilogramm Gewicht befestigt werden können.  Im aktuellen Fall waren es allerdings nur fünf Einheiten. Vier davon bleiben dauerhaft an der ESPAStar-Plattform befestigt.  Diese vier Experimentenpakete sind das "AFRL-1201 Resilient Spacecraft Bus Development Experiment", oder kurz ARMOR, das "Compact Environmental Anomaly Sensor III Risk Reduction Experiment", oder kurz CEASE-III-RR, das "Hypertemporal Imaging Space Experiment", oder kurz HTI-SpX und das "Inverse Synthetic Aperture LADAR" oder kur ISAL. Die fünfte Nutzlast ist ein autonomer Subsatellit mit einer Masse von 93 Kilogramm mit der Bezeichnung Mycroft. Er wird später in der Mission von EAGLE freigesetzt.

Bild: Start der Atlas 5 551 mit dem AFSPC-11 Nutzlastpaket; Credit: ULA