Beim - aus westlicher Sicht - dritten Orbitalstart des Jahres 2016 brachte China die inzwischen schon 22.  Einheit für sein Navigationssatellitensystem Beidou in den Orbit. China selbst betrachtet den Flug im Übrigen erst als den Start Nummer eins des neuen Jahres, denn nach dem chinesischen Kalender hat das Jahr (es ist das "Jahr des Affen") eben erst angefangen. Die Mission begann am zentralchinesischen Weltraumbahnhof Xichang. Als Träger wurde eine Rakete des Typs Langer Marsch 3A eingesetzt.

Beidou-2 IGSO-6, so die offizielle Bezeichnung dieses neuesten Mitglieds der Konstellation, startete exakt um 22:11 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startanlage 3 und erreichte etwa 30 Minuten später seinen Zielorbit. Der Buchstabe "I" steht dabei für "Inklinierten Orbit", also eine geostationäre Umlaufbahn, die zwischen einer gewissen südlichen und nördlichen Breite pendelt. Das Raumfahrzeug hat eine Startmasse von gut zwei Tonnen. Seine Abmessungen betragen 2.25 x 1.0 x 2.2 Meter. Der Übergangsorbit, in dem IGSO-6 abgesetzt wurde, weist ein Perigäum von 200 Kilometern, ein Apogäum von 35.800 Kilometern auf und eine Bahnneigung zum Äquator von 55 Grad auf. IGSO-6 wird in den nächsten Tagen seine endgültige Position in einer Kreisbahn in 35.600 Kilometern Höhe mit den bordeigenen Triebwerken ansteuern.

Als Träger für diesen Flug wurde eine Langer Marsch 3A eingesetzt. Sie ist die Basisversion der geostationären Träger Chinas. Anders als seine Varianten 3B und 3C verwendet die Langer Marsch 3A keine Starthilfsbooster. Sie ist mit einer Oberstufe ausgerüstet, die mit flüssigem Sauerstoff und flüssigem Wasserstoff betrieben wird. Ihre maximale Nutzlastkapazität für den Geostationären Transferorbit beträgt 2.650 Kilogramm.

Das komplette Beidou-System wird 35 Satelliten in drei Orbittypen umfassen. Es wird dann fünf geostationäre Satelliten in 35.600 Kilometern Höhe umfassen, drei geostationäre Satelliten mit inklinierten Bahnen und 27 Satelliten auf mittelhohen Umlaufbahnen in 21.500 Kilometern Höhe, die ihrerseits wiederum auf drei Bahnebenen verteilt sind. Nachdem noch eine Reihe Satelliten älterer Bauart im Orbit in Betrieb sind, die in Kürze ersetzt werden müssen, bedeutet das, dass in den nächsten drei Jahren trotz des Starts von bislang 22 Satelliten mehr als 20 neue Einheiten in den Orbit gebracht werden müssen.

Die neue Einheit ist ein Phase II-Satellit und somit eine Ersatzeinheit für die bereits operationelle vorläufige regionale Ausbaustufe des Beidou-Systems. Mit den Starts der ersten Phase III-Satelliten für das weltweit operierende System wurde aber schon im letzten Jahr begonnen.

 

Bild: Start von Beidou-2 IGSO-6 Credit: ChinaNews