Am 17. Februar brachte eine Trägerrakete des Typs H-IIA den Astronomie-Satelliten ASTRO-H in eine Erdumlaufbahn. Startort war das Tanegashima-Raumfahrtzentrum vor der Südküste Japans. Aufgabe des Orbital-Observatoriums ist die Untersuchung astrophysikalischer Phänomene im Röntgen- und Gammaspektrum für ein besseres Verständnis der Evolution des Universums. Einer Tradition folgend, die auf die Anfangstage der japanischen Raumfahrt zurückgeht, wurde der Satellit nach dem erfolgreichen Start umbenannt. Von Astro-H in "Hitomi".

Diese Bezeichnung geht auf eine alte chinesische Legende zurück. In dieser Geschichte fertigt ein Künstler auf einer Straße ein Gemälde mit vier weißen Drachen an, malt ihnen jedoch keine Pupillen in die Augen. Das gefällt den Leuten, die ihm zuschauen, jedoch nicht. Sie fordern ihn auf, die Drachen mit Pupillen - auf japanisch "Hitomi" - zu versehen. Der Maler folgte der Aufforderung, aber nur bei zweien der Drachen, denn er ahnt schon, was geschehen wird. Und tatsächlich: die beiden Drachen erwachten zum Leben und fliegen in den Himmel. Die anderen aber blieben reglose Bilder.

Die Mission begann an der Startrampe 1 des Yoshinobu Startkomplexes am japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima. Die H-IIA startete in der leichtesten der vier verfügbaren Konfigurationen, der Version 202, die beim Start von zwei Feststoffboostern des Typs SRB-A3 unterstützt wird. 14 Minuten und 14 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe, das war 50 Sekunden nach dem Brennschluss der zweiten Stufe, gab die zweite Stufe der Trägerrakete den Satelliten frei. Danach hatte Hitomi einen annähernd kreisförmigen Orbit in einer Höhe von 575 Kilometern mit einer Bahnneigung zum Äquator von 31 Grad erreicht.

Hitomi ist bereits der sechste japanische Satellit für die Beobachtung des kosmischen Röntgenspektrums. Er ist mit vier innovativen Röntgen- und Gammateleskopen und sechs Detektoren ausgerüstet, die für Strahlungsenergien zwischen 0,1 und 100 Kiloelektronenvolt sensitiv sind. Die Mission läuft in Partnerschaft mit der NASA, der ESA, der kanadischen Raumfahrtagentur CSA und einer Reihe von Instituten in den Niederlanden, Japan, Europa und Nordamerika.

Der Satellit hat ein Gewicht von 2.500 Kilogramm und ist für eine Lebensdauer von mindestens drei Jahren ausgelegt. Die Solargeneratoren liefern für die Aufgaben des Raumfahrzeugs eine elektrische Leistung von 3,5 Kilowatt. Die zum Teil sehr langen Brennweiten der Teleskope erfordert eine trickreiche und mechanisch aufwendige Anordnung der Teleskope einem ausfahrbaren Masten. In der Betriebsphase wird Hotomi deshalb selbst ohne die Solargeneratoren 14 Meter lang sein, um die erforderlichen 12 Meter Brennweite zu erreichen. Eine weitere technische Herausforderung liegt am Kühlbedarf des von der NASA beigesteuerten so genannten Soft X-Ray Spektrometers, das auf eine Temperatur von -273,1 Grad gekühlt werden muss, nur noch wenige Hundertstel Grad über dem absoluten Nullpunkt.

Neben dieser Hauptnutzlast befanden sich noch drei Kleinsatelliten an Bord: Horyu-4 und ChubuSat 2 und 3. Die Chubusats wiegen jeweils 50 Kilogramm und wurden von der Universität Nagoya gebaut. Chubusat 2 misst solare und terrestrische Strahlung und führt eine Infrarotkamera mit sich, mit der Bilder von der Erde und von Weltraumschrott gemacht werden sollen. Chubsat 3 unterstützt Hotomi, indem er die Hintergrundstrahlung zum Zeitpunkt der Messungen von Hitomi misst. Beide Satelliten tragen außerdem eine Nutzlast für Funkamateure. Horyu-4 ist ein zehn Kilogramm schwerer Technologiesatellit, der Hochspannungssolarzellen im Orbit testen soll.

Bild: Missionslogo der Astro-H/Hotomi-Mission.

Credit: JAXA