Arianespace hat das europäische Raumfahrtjahr in der Nacht von 27. auf den 28. Januar mit der erfolgreichen Mission einer Ariane 5 ECA begonnen. Damit ist dieser Träger zum 70. Mal in Folge erfolgreich vom Weltraumbahnhof in Kourou, in Französisch-Guayana, gestartet. 84 Missionen hat die Ariane 5 bislang insgesamt durchgeführt. Beim jüngsten Start brachte der Träger den Kommunikationssatelliten Intelsat 29e in einen geostationären Transferorbit.

Der Einsatz war einer der seltenen Einzelstarts in den geostationären Transferorbit, die mit der Ariane 5 durchgeführt werden. Normalerweise werden von diesem Träger bei dieser Art von Flügen für meist kommerzielle Satellitenbetreiber immer zwei Einheiten gleichzeitig transportiert. Die davor letzte Mission, bei der eine Ariane 5 nur einen einzelnen Satelliten in eine geostationäre Transferbahn gebracht hatte, war im Juli 2009 der Start von Terrestar 1. Es war übrigens auch das erste Mal seit dem Jahre 2002, dass Arianespace bereits im Januar die erste Mission des Jahres durchführt.

Die Mission trug die Bezeichnung VA 228, was "Vol Ariane 228" bedeutet und ein Hinweis darauf ist, dass es sich um den 228. Flug einer Ariane-Trägerrakete handelt. Diese Zählung geht dabei zurück bis zum Erstflug der Ariane 1 im Dezember 1979. Es war der 56. Intelsat-Satellit den Arianespace in den Orbit brachte und das 51. von Boeing gebaute Raumfahrzeug, das Arianespace startete.

Der Flug begann um 0:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit. 38 Minuten später wurde Intelsat 29e abgesetzt. Der Satellit wird seine Arbeitsposition bei 310 Grad östlicher Länge (oder 50 Grad westlicher Länge) über dem Äquator einnehmen, und dort Intelsat 1R ersetzen, der seit mehr als 15 Jahren im Einsatz ist.

Das Startgewicht von Intelsat 29e betrug 6.550 Kilogramm und liegt damit deutlich unterhalb der maximalen Nutzlastkapazität der Ariane 5 ECA, die 9,6 Tonnen für den geostationären Transferorbit beträgt. Intelsat musste somit die Kosten des nicht mitfliegenden "zweiten Passagiers" mitbezahlen, bekam dafür aber relativ kurzfristig eine Startmöglichkeit auf der Ariane 5, die für Doppelstarts über Jahre hinaus ausgebucht ist. Ein zweiter Vorteil der damit verbliebenen großen Gewichtsreserve war, dass damit genügend Treibstoff übrig blieb, um die Inklination des Bahneinschusses gegenüber dem Standard-Verfahren für die Ariane 5 zu ändern. Statt der sonst üblichen sechs Grad Bahnneigung zum Äquator konnte nun ein Teil der überschüssigen Antriebsleistung dazu investiert werden, um die Inklination auf 0,5 Grad zu reduzieren. Damit muss der Satellit mit seinem Bordtriebwerk später weniger Inklination abbauen, um seine geostationäre Arbeitsposition zu erreichen. Damit spart er Treibstoff, der für eine längere Einsatzlebensdauer eingesetzt werden kann.

Bei Intelsat 29e handelt es sich um die erste Einheit der EpicNG Satelliten-Reihe. Sie zeichnen sich durch eine sehr hohe Übertragungsleistung aus, und werden für Breitband-Kommunikation aller Art eingesetzt. Er ist mit seinen 20 C-Band-Transpondern und 249 Ku-Band Transpondern in der Lage, 25 Gigabit an Daten pro Sekunde abzustrahlen. Das ist etwa die fünffache Kapazität "normaler" Kommunikationssatelliten. Das Raumfahrzeug basiert auf der Plattform 702MP von Boeing. Es soll seine Telekommunikationsdienste für Nord- und Südamerika sowie die Karibik zur Verfügung einsetzen.

Der Start war der erste von insgesamt elf oder zwölf in diesem Jahr von Arianespace geplanten Missionen. Davon sollen acht mit der Ariane 5 durchgeführt werden, zwei mit der Vega und eine oder zwei mit der Sojus STB.