Der 87. und letzte Orbitalstart des Jahres 2015 und die erste Orbitalmission des Jahres 2016 gleichen sich fast wie ein Ei dem anderen. In beiden Fällen brachte jeweils eine Trägerrakete des Typs Langer Marsch 3B/G2 einen Satelliten auf eine geostationäre Transferbahn. Startort war in beiden Fällen das Raumfahrtzentrum von Xichang. Der Flug läutet möglicherweise ein Rekordjahr ein, mit einer Anzahl von Missionen, wie es sie seit dem Ende des kalten Krieges nicht mehr gegeben hat.

Die Startmission für den Kommunikationssatelliten Belintersat-1, der Nutzlast an Bord der Trägerrakete, begann um 17:57 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startrampe LC 3 des Startplatzes. In Zentralchina war es da bereits 0:57 Uhr am 16. Januar. Gut 30 Minuten später lieferte die G2-Oberstufe das Raumfahrzeug in einem Standard-Transferorbit ab. Das Perigäum der erzielten Bahn lag bei 197 Kilometern, das Apogäum bei 41.780 Kilometern. Die Bahnneigung zum Äquator beträgt 26,4 Grad. Die Langer Marsch 3B/G2 ist gegenwärtig die stärkste chinesische Trägerrakete. Sie kann eine Nutzlast von 11.200 Kilogramm in einen niedrigen Erdorbit bringen oder 5.500 Kilogramm auf eine geostationäre Transferbahn.

Bei Belintersat 2 handelt es sich um einen modernen Kommunikationssatelliten für Weißrussland. Er basiert auf der chinesischen DFH-4 Plattform und ist mit insgesamt 42 Transpondern ausgerüstet, die im Ku-Band und im C-Band senden werden. Das Raumfahrzeug hat eine Startmasse von 5.200 Kilogramm, die End-of-Life-Leistung der Solargeneratoren nach 15 Betriebsjahren beträgt 10,5 Kilowatt. Die Kommunikationsnutzlast stammt von Thales Alenia Space in Cannes. Der Satellit wird auf 51,5 Grad östlicher Länge stationiert werden.

Einige der Transponder sind dauerhaft an die China Satcom vermietet, die den Satelliten unter dem Namen Chinasat 15 vermarkten wird. Ein interessanter Aspekt an diesem mehrere Länder übergreifenden Raumfahrtgeschäft ist die Tatsache, dass der Auftrag für die In-Orbit-Tests des Satelliten und seinen späteren Betrieb an die nigerianische Firma "Nigerian Communication Satellite (NigComSat) Limited" in Abidjian geht. Es ist das erste Mal, dass ein zentralafrikanisches Unternehmen einen technologisch so anspruchsvollen Raumfahrt-Auftrag bekommt.