Mit einem Bilderbuchstart bei wolkenlosem Winterwetter begann am 15. Dezember das russische Raumschiff Sojus TMA-19M mit drei Besatzungsmitgliedern an Bord seine Reise zur Internationalen Raumstation. Der Einschuss in die Transferbahn gelang perfekt, so dass ein so genannter "schneller Transfer" zur ISS durchgeführt werden konnte. Sechseinhalb Stunden nach dem Verlassen der Startrampe in Baikonur legte die Sojus an der ISS an. Die Crew wird in den kommenden Monaten Mitglied der ISS Expeditionen 46 und 47 sein.

Die Mission begann um 11:03 Uhr an der legendären Startrampe 1 des Kosmodroms in Baikonur. Unter dem Kommando von Juri Malentschkenko, einem der erfahrensten Raumfahrer der Welt, brachen er und seine beiden Kameraden Tim Kopra von der NASA und Tim Peake, ein Brite der für die ESA startet, zur so genannten "Principia"-Mission auf. Seit einigen Jahren hat es sich eingebürgert, dass Missionen mit ESA-Beteiligungen einen eigenen Namen bekommen. Die Bezeichnung "Principia" kommt von Isaac Newton Hauptwerk, der "Naturalis Principia Mathematica", in der die heute als die Newtonschen Gesetze bekannten Prinzipien beschrieben sind. Die Mission wird mit knapp sechs Monaten Dauer ein wenig länger sein, als die üblichen viereinhalbmonatigen Einsätze auf der ISS.

Das Anlegemanöver am Rassvet-Modul der Raumstation war nicht ohne Spannung. Wenige Meter vor dem Kopplungsstutzen des Moduls brach die Telemetrieverbindung des automatischen KURS-Systems mit der Erde zusammen. Das bedeutete den Abbruch des Vorgangs. Daraufhin übernahm Juri Malentschenko das Steuer, brachte das Raumschiff zunächst in sicheren Abstand und leitete dann einen Anflug mit der Handsteuerung ein. Zehn Minuten nach dem vorgesehenen Zeitpunkt dockte er das nunmehr manuell gesteuerte Schiff sicher am Rassvet-Modul an.

Malenchenko ist ungemein erfahrener Kosmonaut. Er hat bereits einen Langzeitaufenthalt auf der legendären russischen Raumstation Mir absolviert, drei Langzeitaufenthalte auf der Internationalen Raumstation und war sogar schon bei einer Shuttle-Mission schon dabei. Er hatte bereits vor dieser Mission eine Gesamt-Flugerfahrung von 641 Tagen auf seinem Konto.

Der NASA-Astronaut Tim Kopra hat von Juli bis September 2009 schon einmal zwei Monate auf der ISS verbracht. Er startete mit der Shuttle-Mission STS-127 dorthin und wurde von STS-128 wieder abgeholt. Tim Kopra war eigentlich auch Besatzungsmitglied bei der Mission STS-133, dem letzten Flug der Discovery. Kurz vor seinem Flug brach er sich aber bei einem Motorradunfall das Becken und musste ersetzt werden.

Tim Peake, der für die ESA zur ISS fliegt, ist dagegen zum ersten Mal im Weltraum. Er ist zwar der erste Brite, der quasi in "Regierungsauftrag" unterwegs ist. Er ist aber keineswegs der erste Engländer im Weltraum, denn einige US-Astronauten mit doppelter Staatsbürgerschaft sind schon vor ihm geflogen, wie zum Beispiel Mike Foale, Piers Sellers und Gregory Johnson. Der erste britische Staatsangehörige im Weltraum war im übrigen kein Mann sondern eine Frau, und zwar die Wissenschaftlerin Helen Sharman, die im Jahre 1991 privat finanziert zur Raumstation Mir flog.