Für die Freunde und Fans der europäischen Mars-Mission ExoMars 2016 mit dem Trace-Gas Orbiter und der Landesonde Schiaparelli nimmt die Aufregung schon Monate im Vorfeld zu. Grund für den steigenden Blutdruck ist die Beobachtung der Starts der chronisch unzuverlässigen russischen Proton-Rakete. Auf einem Träger dieses Typs wird nämlich auch Europas Marssonden-Duo am 14. März kommenden Jahres seine Reise zum Roten Planeten antreten.

Fehlstarts mit der Proton ereignen sich in unschöner Regelmäßigkeit etwa alle sieben bis neun Starts nach dem jeweils vorausgegangenen Fehlschlag. Den letzten Vorfall dieser Art gab es im Mai dieses Jahres, als die eigentlich auf 15 Jahre veranschlagte Mission des mexikanischen Kommunikationssatelliten MexSat 1 schon nach 15 Minuten vorbei war, und die Trümmer des Satelliten über Sibirien nieder regneten.

Seither gab es drei erfolgreiche Missionen und der Start von Garpun-N2 in den frühen Morgenstunden des 13. Dezember ist die vierte Mission seit dem letzten Fehlstart. Nach der gegenwärtigen russischen Startplanung stehen bis zum Start von ExoMars 2016 mit dem Schiaparelli-Lander noch drei weitere Proton-Missionen aus. Der Start mit ExoMars 2016 wäre damit exakt Mission Nummer acht seit dem letzten vorausgegangenen Fehlstart.

Die Reise von Garpun-12L direkt in den geostationären Orbit begann um 6:19 Uhr morgens kasachischer Ortszeit in Baikonur, entsprechend 1:19 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Mehr als neun Stunden später, nach drei Brennmanövern der Briz M-Oberstufe, war der Zielorbit erreicht.

Garpun-12L ist die zweite Einheit einer neuen Generation russischer militärischer Datenrelaysatelliten. Zehn Exemplare der ersten Generation, sie trugen die Bezeichnung „Potok“ wurden zwischen 1982 und 2000 gestartet. Alle Raumfahrzeuge dieses Typs wurden (und werden) von Reshetnew in Zelenogorsk gebaut. Die Garpuns sorgen dafür, dass die Daten von militärischen Beobachtungssatelliten (z.B. der elektro-optischen Aufklärer der Persona-Klasse) in Echtzeit zugänglich sind. Sie sind damit das Gegenstück zu den Quasar-Satelliten des US National Reconnaissance Office.

Der erste Garpun-Satellit, die Nummer 11L, wurde im September 2011 auf 79,8 Grad östlicher Länge stationiert (das liegt über Südindien). Garpun 12L wird die Position auf 13,5 Grad West einnehmen. Damit bleibt eine dritte Position, bei 168 Grad West über dem Pazifik, noch frei. Allerdings war da bisher noch nie ein sowjetischer oder russischer geostationärer Relay-Satellit stationiert.