Die Mission einer Zenit 3 SLB am 11. Dezember dürfte voraussichtlich der letzte Einsatz dieses Trägertyps gewesen sein. Die in der Ukraine bei Juschnoje (dem ehemaligen OKB-586 von Michael Jangel) produzierte Rakete ist ein Opfer der immer schlechter werdenden Beziehungen zwischen Russland und seinem westlichen Nachbarn. Es ist zwar noch eine weitere Zenit in Baikonur eingelagert. Nach derzeitiger Lage besteht aber keine Chance mehr, diese Rakete auch zu starten.

Der Träger stammt aus den besseren Zeit der Sowjetunion. Er war ursprünglich als Boostermodul der Energia konzipiert, dem ultraschweren Träger des Buran-Raumgleiters. Später erlebte die Rakete eine längere Karriere als Satellitenträger. Sie wurde seit Mitte der achtziger Jahre bis zu fünfmal jährlich von Baikonur aus verwendet. Bekannter aber sind ihre insgesamt 36 Einsätze bei der Firma "Sea Launch", bei denen sie von der Odyssey-Startplattform im Zentralpazifik aus startete. Ihre relativ hohe Fehlerquote – bedingt durch Qualitätsmängel wie bei fast allen russisch/ukrainischen Träger - verhinderte einen nachhaltigen kommerziellen Erfolg. Die Anteilseigner des Sea Launch Konsortiums, allen voran Boeing, zogen sich zurück. Der letzte Sea Launch-Start erfolgte am 26. Mai 2014.

Die Zenit 3 SLB besteht aus der zweistufigen Basis-Zenit und – bei Starts von geostationären Satelliten - einer zusätzlichen Oberstufe. Sie wiegt beim Start 457 Tonnen und ist etwas über 54 Meter lang. Sie wird in den ersten beiden Stufen mit Kerosin und flüssigem Sauerstoff betrieben. Als dritte Stufe können entweder der Block DM von RKK Energia oder – wie beim aktuellen Start - die Fregat eingesetzt werden, die bei NPO Lavochkin produziert wird. Die Fregat wird in häufig in einer leichteren Version mit der Sojus kombiniert. Bei Einsätzen mit der Zenit fliegt sie in der Version „Fregat SB“, und ist dann mit mit abwerfbaren Zusatztanks bestückt. Diese Antriebseinheit arbeitet mit Hydrazin und Stickstofftetroxid.

Bei der Nutzlast, Elektro-L Nr. 2, handelt es sich um die zweite Einheit der russischen geostationären Wettersatelliten der Elektro-L Serie. Er ist ein Gegenstück zu den europäischen Meteosat-Satelliten oder den US GOES-Raumfahrzeugen. Er wurde ebenfalls bei NPO Lawotschkin gebaut und wiegt im geostationären Orbit, 1.740 Kilogramm. Die Fregat brachte das Raumfahrzeug direkt in einen geostationären Orbit mit einem Perigäum von 35.400 Kilometern, einem Apogäum von 35.800 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 0,5 Grad. Sie setzte den Satelliten nach einem durchweg problemlosen Flug acht Stunden und 52 Minuten nach dem Verlassen der Startanlage ab. Elektro-L Nr. 2 wird seine Arbeitsposition auf 77,8 Grad östlicher Länge einnehmen.

Bild: Zenit 3 SLB mit Elektro-L kurz vor dem Start. Credit: Roskosmos