Wieder einmal dürfen Zweifel an den Qualitätsstandards der russischen Raumfahrtindustrie angebracht werden. Nur Stunden nach dem an sich erfolgreichen und problemlosen Start einer Sojus 2.1v am 5. Dezember musste eine der beiden Nutzlasten wegen eines eher ungewöhnlichen Fehlers aufgegeben werden. Kanopus ST, eine Marineüberwachungssatellit der russischen Seestreitkräfte, löste sich nach dem erfolgreichen Start nicht von der Volga-Oberstufe. Der zweite Satellit, weit weniger wertvoll als die Primärnutzlast, trennte sich dagegen problemlos.

Die Rakete war um 15:09 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom nordrussischen Weltraumbahnhof Plesetzk aus gestartet und erreichte wenige Minuten später planmäßig den vorgesehenen Orbit, eine polare Umlaufbahn in einer Höhe von 735 Kilometern. Dort sollten die beiden Satelliten freigegeben werden. Dies gelang aber nur bei der Sekundärnutzlast. Die Hauptnutzlast mit der Bezeichnung Kanopus ST blieb mit dem Träger verbunden, weil einer der vier so genannten Pyro-cutter nicht feuerte. Bei der Sekundärnutzlast, einem einfachen, passiven, kugelförmigen Satelliten mit der Bezeichnung KYuA-1 und einem Gewicht von nur 16 Kilogramm funktionierte die Trennung dagegen einwandfrei.

Die Mission am 5. Dezember war der zweite Einsatz einer Sojus 2.1v, eines Derivats der bekannten Sojus-Trägerraketenfamilie. Der Erstflug dieser Rakete fand im Jahre 2013 statt. Die Sojus 2.1v ist allerdings technisch so weit von der namensgebenden Sojus entfernt, dass man sie nicht als Variante bezeichnen kann. Sie ist eher ein eigener Trägertyp. Sie verwendet Komponenten aus verschiedenen Programmen, die zusammen eine leichte Trägerrakete schaffen. Sie soll die Lücke ausfüllen, die nach der Außerdienststellung der Kosmos-Träger entstanden ist.

Die beim Start 158 Tonnen schwere Sojus 2.1v besteht in ihrer ersten Stufe aus einer Zentraleinheit der Sojus-Trägerrakete. Im Gegensatz zu dieser verfügt sie aber nicht über die vier charakteristischen Booster. Die erste Stufe verwendet auch nicht das Vierkammertriebwerk des Typs RD-117 Triebwerk, wie in der Sojus, sondern setzt das NK-33 Triebwerk der schon vor 40 Jahren aufgegebenen N1-Mondrakete ein. Von diesen seinerzeit von Kusnetzow gebauten Triebwerken ist noch eine große Anzahl eingemottet.

In den letzten Jahrzehnten gab es eine Reihe von Trägern, in denen dieses Triebwerk verwendet wurde oder verwendet werden sollte. Das bekannteste der letzten Zeit war die Orbital Sciences Antares. Nach einem Fehlstart im Jahre 2014, der auf einen Fremdkörper in diesem Triebwerk zurückzuführen sein soll, wird es für die Antares aber nicht mehr verwendet. Der Start der Sojus 2-1v ist somit der erste Einsatz eines NK-33 Raketenmotors seit dem gescheiterten Antares-Start.

Für die Schubvektorkontrolle des fest eingebauten NK-33 Motors werden jedoch, wie bei der "großen" Sojus, vier RD-110R Triebwerke verwendet. Die zweite Stufe entspricht der dritten Stufe der Sojus. Sie wird wie diese von einem einzelnen RD-124 angetrieben. Die Volga-Oberstufe ist neu. Sie wurde vom Antriebssystem der Yantar-Satelliten abgeleitet und ist leichter und billiger als die relativ komplexe Fregat.

Nachdem alle Bemühungen zur Abtrennung fruchtlos blieben, beschlossen die Verantwortlichen, die noch mit einer gewissen Menge an Resttreibstoff versehene Volga-Oberstufe einzusetzen, um einen gezielten Wiedereintritt über dem Südpazifik durchzuführen. Dieses Manöver gelang nicht ganz. Immerhin konnte das Perigäum der Bahn auf einen Wert von nur noch 104 Kilometern abgesenkt werden, was dazu führte, dass in der Zwischenzeit die Volga-Oberstufe mit dem nicht abgetrennten Kanopus ST über dem Atlantik in die Erdatmosphäre eingetreten und verglüht ist.

Bild: Start der Sojus 2.1v mit zwei Militärsatelliten an Bord. Bildquelle VKS