Eine japanische Trägerrakete des Typs H-2A brachte heute auf ihrer ersten kommerziellen Mission den Kommunikationssatelliten Telstar 12 V (für: Vantage) auf einen geostationären Transferorbit. Der Träger musste für diesen Einsatz einen ungewöhnlich komplexen Aufstieg durchführen, der schließlich viereinhalb Stunden nach dem Verlassen der Startrampe in Tanegashima zur Freigabe des Raumfahrzeugs führte.

Der Start begann um 7:50 Uhr mitteleuropäischer Zeit, nachdem es wegen eines Schiffes, das unerlaubt in die Sicherheitszone vor dem Startzentrum eingefahren war, zu einer Verzögerung von 27 Minuten gekommen war.

Die japanische H-2A Trägerrakete ist wegen ihres hohen Preises in der Regel dazu verurteilt, ausschließlich institutionelle japanische Nutzlasten zu transportieren. Dies begrenzt ihre Einsätze in der auf drei oder weniger pro Jahr, was wiederum zu hohen Preisen wegen der geringen Produktionskadenz führt. Der Start am 24. November dürfte nahezu zu den Produktionskosten des Trägers durchgeführt worden sein. Auch die Schwäche des japanischen Yen hat sich hier wohl günstig ausgewirkt. Angeblich bezahlte Telesat für den Start des fast fünf Tonnen schweren Satelliten nicht mehr als 98 Millionen Dollar. Damit wäre der Träger bei ähnlicher Leistung nur wenig teurer als die russische Proton.

Für diese Mission wurde eine Variante der H-2A mit vier Feststoffboostern eingesetzt. In dieser Version wird sie als H-2A 204 bezeichnet. Sehr viel häufiger ist sie mit nur zwei großen Boostern unterwegs.

Die von Mitsubhishi Heavy Industries gebauten H-2 Trägerraketen (H-2A und H-2B) sind sehr zuverlässig und technologisch fortschrittlich. Sie verwenden Hauptstromtriebwerke in beiden Stufen. Das Oberstufentriebwerk ist zudem mehrfach wiederzündbar und kann im Schub zwischen 60 und 100 Prozent Leistung reguliert werden.

Bei der aktuellen Mission wurde die Oberstufe dreimal gezündet, um die Aufstiegsbahn zu optimieren. Die erzielten Parameter lagen am Ende bei einem Perigäum von 2.700 Kilometern, einem Apogäum von 35.600 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 20,1 Grad. Der Einsatz war der 29. Start einer H-2A. Bis auf einen Flug waren alle erfolgreich.

Telstar 12 Vantage wurde von Airbus DS in Toulouse auf Basis der Eurostar 3000 Plattform gebaut. Er soll Telstar 12 ersetzen, der auf 15 Grad westlicher Länge stationiert ist. Er war im Oktober 1999 mit einer Ariane 4 gestartet worden. Der neue Telstar trägt 52 Ku-Band Transponder (sein Vorgänger hatte 38) und soll Telekommunikationsdienste für Luftfahrt und Marine zur Verfügung stellen, speziell in der Karibik, im Südatlantik, im Mittelmeerraum und in der Nordsee.