Die russischen Streitkräfte brachten am 17. November die erste Einheit einer neuen Generation von Frühwarnsatelliten in den Orbit. Das Raumfahrzeug trägt offiziell die nichtssagende Kosmos-Zählnummer 2510. Es handelt sich dabei jedoch um die erste Flugeinheit der EKS-Serie. Der neue Typ soll nach und nach die Raumfahrzeuge der OKO-1 Konstellation ersetzen. Der Start erfolgte um 7:34 Uhr vom nordrussischen Startgelände in Plesetzk aus. Als Träger wurde eine Sojus 2.1b Fregat eingesetzt.

Der Erststart für das neue System erfolgte nach jahrelangen Verzögerungen. Das Vorläufersystem OKO-1 ist in sehr schlechter Verfassung. Um es in vollem Umfang nutzen zu können wären vier funktionierende Einheiten auf Molnija-Orbits notwendig, sowie ein weiterer Satellit auf einem geosynchronen Orbit. Von diesen fünf notwendigen Satelliten sind derzeit nur zwei Einheiten auf Molnija-Bahnen funktionsfähig. Der geostationäre Satellit ist im April ausgefallen. Seither ist Russland weitgehend auf bodengestützte Beobachtungen angewiesen um Frühwarnmeldungen zu bekommen.

Zusätzlich zu seiner reinen Beobachterfunktion sind die EKS-Raumfahrzeuge auch in der Lage, die Flugbahn eines beobachteten Objektes zu berechnen. Das erleichtert es Radarstationen, sich auf das Objekt aufzuschalten. Eine weitere Nebenfunktion sind Kommandofunktionen für das Militär.

Aufgabe des Frühwarnsystems ist es, weltweit Starts von Nuklearträgern in Echtzeit zu erfassen und an die russischen Kommandostellen zu melden. Zunächst wurde angenommen, dass EKS Nummer 1 auf einem so genannten Tundra-Orbit abgesetzt werden sollte. Es ist dies eine stark elliptische Umlaufbahn mit dem Apogäum über den nördlichen Breiten. Die Bahnellipse ist aber so lang, dass eine Erdumkreisung nicht wie beim Molnija-Orbit 12 Stunden dauert, sondern knapp 24 Stunden (exakt: einen siderischen Tag). Tundra-Orbits werden recht selten genutzt. Typischerweise liegt ihr Perigäum bei etwa 24.000 Kilometer, das Apogäum bei etwa 47.000 Kilometer und ihre Bahnneigung zum Äquator entweder bei 64,4 Grad oder bei 116,6 Grad. Es sind dies, wie die Bahnen des Molnija-Typs, Trajektorien, die für die Abdeckung hoher nördlicher oder südlicher Breitengrade optimiert sind.

Nachtrag: Vor dem Start und noch in den ersten Stunden der Mission wurde vermutet (und die Titelzeile drückt das noch so aus) dass das Raumfahrzeug einen Tundra-Orbit ansteuern würde, der für seine Aufgabenstellung durchaus Sinn macht. Die Vermutung rührte vor allem von der Herstellerbezeichnung des Raumfahrzeugs her, denn Energia führt das Raumfahrzeug unter dem Code "14K235 Tundra".

Bild: Die Sojus 2.1b mit EKS Nr. 1 wird für den Start vorbereitet. Quelle: VKS