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Eine Atlas 5 der United Launch Alliance (ULA) brachte am 12. Dezember um 19:19 Uhr US-Westküstenzeit einen geheimen Satelliten des National Reconnaissance Office in den Orbit. Es war dies der 9. und letzte Start einer Atlas 5 im Jahr 2014, und der Einsatz der bislang stärksten Atlas-Version von der kalifornischen Luftwaffenbasis Vandenberg aus. In Mitteleuropa war es zum Zeitpunkt des Starts bereits der 13. Dezember um 4:19 Uhr morgens.

Aufgrund der klassifizierten Nutzlast wurde der Start des Trägers nur bis zur Abtrennung der Nutzlastverkleidung, etwa dreieinhalb Minuten nach dem Verlassen der Startrampe, übertragen, um der Öffentlichkeit mit den Long Range Kameras keinen Blick auf den Satelliten zu erlauben.

Aufgabe und Bezeichnung des Raumfahrzeugs bleiben, von der nichtssagenden Zählnummer des NRO einmal abgesehen, geheim. Analytiker gehen jedoch davon aus, dass es sich um einen elektronischen Aufklärungssatelliten der Trumpet-Serie handelt, die auf so genannten Molnija-Bahnen abgesetzt werden. Diese Bahnen weisen ein Perigäum von etwa 1.100 Kilometern, ein Apogäum von etwa 38.000 Kilometern, eine Neigung zum Äquator von 63,5 Grad und eine Bahnperiode von 12 Stunden auf.Das Erreichen einer solchen Bahn von Vandenberg aus erfordert zwei Brennmanöver der Centaur-Oberstufe und führt nach etwa 50 Minuten zur Trennung des Satelliten von der zweiten Stufe.

Dies scheint hier annähernd auch so der Fall gewesen zu sein, denn obwohl über den weiteren Verlauf des Starts zunächst nicht berichtet wurde, gab die ULA doch 75 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe bekannt, dass der Start der Mission erfolgreich verlaufen, und der Satellit abgesetzt sei.

Molnija-Bahnen wurden in der Vergangenheit von US-Satelliten neben den Raumfahrzeugen der Trumpet-Serie sonst nur noch von den Quasar-Satelliten des militärischen Satellite Data Systems angesteuert. Von der Quasar-Reihe wird jedoch angenommen, dass die auf Molnija-Bahnen stationierten Raumfahrzeugen nach und nach durch geostationäre Satelliten ersetzt werden. Jedenfalls wurden die letzten drei Einheiten dieser Serie auf geosynchronen Orbits stationiert. Quasar-Satelliten sind auch wesentlich leichter, als die Raumfahrzeuge der Trumpet-Reihe. Für sie genügen Träger des Typs Atlas 5 401 oder Delta 4 M +(2,4). Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich bei diesem Start um den Beginn einer Trumpet-Mission handelte. Satelliten der Trumpet-Reihe sind mit sehr großen Entfaltantennen ausgerüstet, um Funksendungen in einem breiten Wellenspektrum auffangen zu können.

In den folgenden Stunden konnte über Westeuropa das so genannte „Passivation-Manöver“ der Centaur sehr gut beobachtet werden. Diesem Manöver ging eine dritte Brennperiode der Centaur voraus, in welcher eine Absturzbahn angesteuert wurde. Diese Bahn führte einen Orbit (entsprechend 12 Stunden) nach dem Absetzen des Satelliten zum Wiedereintritt der Stufe in die Erdatmosphäre über dem Südpazifik. Das Ablassen des restlichen Treibstoffs war gut sichtbar, wurde vielfach fotografiert und bestätigte die ursprüngliche Bahnanalyse (und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den Einsatzzweck) des Satelliten.

Es war dies die stärkste Atlas-Version, die bislang von der Luftwaffenbasis Vandenberg aus gestartet wurde. Die Variante 541 des Trägers, die hier zum Einsatz kam, ist mit vier Feststoffboosternausgestattet ,verfügt über eine fünf Meter durchmessende Nutzlastverkleidung und ein einzelnes Centaur-Triebwerk.

Die Trägerraketen der Atlas-Reihe sind modular konzipiert, und können je nach Masse und Größe der Nutzlast zusammengestellt werden. Die Version 541 wurde zuvor nur zweimal eingesetzt, in beiden Fällen von Cape Canaveral aus. Dabei wurden im ersten Fall der Mars-Rover Curiosity auf seine Bahn zum Roten Planeten gebracht, im zweiten Fall, und das war zu Beginn des Jahres 2014 der Fall, mit NRO-L67 eine weitere geheime Geheimdienst-Nutzlast.

Erstmals kam bei diesem Flug eine Variante des RL-10 Oberstufentriebwerks zum Einsatz, das bislang nur auf der Delta 4 verwendet wurde. Der Einsatz dieses ähnlichen, aber in einigen konstruktiven Details doch unterschiedlichen Triebwerks wurde durch eine Nachrüstung erreicht. Vom Delta 4 RL-10 Triebwerk ist eine größere Anzahl auf Lager,diedank dieser Umrüstüng nun bei den wesentlich häufigeren Atlas 5-Starts mit verwendet werden können.