Start Orion EFT-1Am 5. Dezember 2014 startete die erste voll funktionsfähige Einheit des zukünftigen bemannten US Raumschiffes Orion zu einem Erprobungsflug in den Erdorbit. Damit wurde in den USA zum ersten Mal seit dem April 1981 ein neues Raumfahrzeug im Weltraum erprobt, das für einen bemannten Einsatz vorgesehen ist. Nachdem allerdings der Schwerlast-Träger des „Space Launch Systems“ noch auf Jahre hinaus nicht fertig gestellt sein wird, wurde für diese erste Mission eine Delta IV „Heavy“ eingesetzt, die leistungsfähigste Trägerrakete im gegenwärtigen Arsenal der Vereinigten Staaten. Die Orion flog bei dieser ersten Testmission unbemannt. Außerdem war sie auch noch nicht mit einem Service-Modul ausgerüstet. Das wird für die späteren Missionen von Europa beigesteuert. Die knapp viereinhalbstündige Mission, die über zwei Erdumkreisungen ging, war zu nahezu vollständig erfolgreich.

Orion wird zukünftig das neue bemannte Explorationsfahrzeug der US-Raumfahrtbehörde NASA werden. Es ist in der Lage, vier Personen für Einsätze in den tieferen Weltraum aufzunehmen. Sie kann aber auch sieben Personen zur Internationalen Raumstation bringen. Für letzteren Einsatzzweck wäre das System aber von seiner Leistungsfähigkeit her deutlich überdimensioniert und auch viel zu teuer. Das Ziel der Orion-Raumschiffe sollen in Zukunft der Mond, erdnahe Asteroiden und letztendlich auch der Mars werden.

Der Träger mit dem Raumfahrzeug an der Spitze verließ den Startkomplex 37B in Cape Canaveral um 13:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Das entspricht 7:05 Uhr morgens US-Ostküstenzeit. Die Mission endete um 17:28 Uhr mitteleuropäischer Zeit mit einer Landung im Pazifik etwa 1.100 Kilometer südöstlich von San Diego, 440 Kilometer vor der Küste der Baja California. Die Mission trug die Bezeichnung EFT-1. Das Kürzel steht für „Exploration Test Nummer 1“. Wegen ungünstigen Wetters und einem technischen Problem an einem Treibstoffventil der ersten Stufe hatte der Start zuvor um 24 Stunden verschoben werden müssen.

Rechnet man die verschiedenen Dummy-Strukturen mit ein, wie etwa die für das Service-Modul, dann betrug das Gesamtgewicht der Nutzlast bei diesem Flug etwa 21 Tonnen. Die Centaur-Oberstufe der Delta IV „Heavy“ brachte diese Fracht etwa 12 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe zunächst auf eine Übergangsbahn mit einem niedrigsten Bahnpunkt von 185 Kilometern und einem höchsten Bahnpunkt von etwa 890 Kilometern über der Erde.

Gut zwei Stunden nach Beginn der Mission zündete das RL-10B-2 Triebwerk der zweiten Stufe erneut für viereinhalb Minuten. Dadurch wurde die Bahn so verändert, dass das Apogäum, also der höchste Bahnpunkt, nun bei 5.800 Kilometern lag, der niedrigste Bahnpunkt dagegen bei minus 30 Kilometern. Das bedeutete, dass die Orion zunächst zweimal den inneren Van-Allen-Gürtel durchflog (einmal auf dem aufsteigenden Ast der Bahnparabel, einmal auf dem absteigenden Ast), was für die Strahlungstests im Inneren der Kapsel gewünscht war und danach der Eintritt in die Erdatmosphäre erfolgte. Dabei wurde die vollständige Landesequenz durchgeführt, bei der das komplexe Fallschirmsystem der Kapsel einem rigorosen Test unterzogen wurde. Im Vorfeld der Landung war drei Stunden und 23 Minuten in der Mission die Trennung von der Centaur-Oberstufe erfolgt.

Auf der eingeschlagenen elliptischen Bahn war es möglich, eine Eintrittsgeschwindigkeit in die Erdatmosphäre zu erreichen, die mehr als 80 Prozent des Wertes einer Rückkehr vom Mond entspricht.

Die Mission wurde nicht nur durch 1.200 Sensoren dokumentiert, die ihre Daten laufend zur Erde übermittelten, sondern auch durch eine Reihe von On-Board Kameras in und an der Kapsel und der Trägerrakete. Die Bilder wurden dabei im besten NASA-Stil online und ohne Zeitverzögerung der Öffentlichkeit übermittelt. So konnte das interessierte Publikum die Mission von der ersten bis zur letzten Minute live mitverfolgen.

Der nächste Flug einer Orion – auch er wird unbemannt stattfinden – wird leider nicht vor dem Ende des Jahres 2018 erfolgen. Dann wird EFT-2 auf der Spitze des ersten Exemplars des neuen Space Launch Systems fliegen, den Mond einmal auf einer freien Rückkehrbahn umrunden und dann wieder zur Erde zurückkehren. Der erste bemannte Einsatz einer Orion ist nicht vor dem Jahre 2021 geplant. Wohin diese Mission führen wird, steht noch nicht fest.

Die für die Orion-Mission verwendete Startanlage 37B (Anlage 37A wurde nie vollständig ausgebaut) in Cape Canaveral blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Sie war die zweite Startanlage für das Saturn-Raketenprogramm (nach der Startanlage 34) und wurde sechsmal für Saturn I-Missionen eingesetzt, zum ersten Mal am 29. Januar 1964. Der letzte Flug der von hier für das Apollo-Programm durchgeführt wurde, war die Mission von Apollo 5 am 22. Januar 1968, bei der es um die unbemannte Erprobung der Mondlandefähre in der Erdumlaufbahn ging. Nach dem Apollo-Programm wurde der Startkomplex eingemottet, und erst gegen Ende der 90iger Jahre wieder für das Delta 4-Programm aktiviert. Der erste Flug einer Delta 4 von hier aus fand am 20. November 2002 statt.