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Asnaro 1Russland brachte mit einer außer Dienst gestellten Interkontinentalrakete des Typs Dnepr am 6. November insgesamt fünf japanische Satelliten in eine sonnensynchrone Erdumlaufbahn. Der Start erfolgte von der Anlage 13 der Militärbasis Dombarowsky im Bezirk Yasny aus. Bei der Rakete handelt es sich um einen modifizierten schweren Nuklearträger des Typs R-36M, der die NATO-Bezeichnung SS-18 (Surface to Surface) „Satan“ trägt. Dieser Träger wurde in der Sowjetära in der Ukraine entwickelt und gebaut.

 Der Start erfolgte unter dem Management von Kosmotras, das die Rakete in ihrer Zivilversion heute vermarktet. Das Projektil verließ den Startsilo um 8:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit (entsprechend 10:35 Uhr Moskauer Zeit) und setzte ihre Nutzlasten 14 Minuten später im vorgesehenen Orbit ab. Das Perigäum der Umlaufbahn betrug 505 Kilometer, das Apogäum 530 Kilometer. Die Inklination beträgt 97,5 Grad. Durchgeführt wurde der Start von den russischen Raketentruppen.

Die Primärnutzlast der Mission war der 495 Kilogramm schwere Erdbeobachtungssatellit ASNARO 1. Dieses Akronym steht für Advanced Satellite with New System ARchitecture for Observation. Das Raumfahrzeug trägt eine optische Kamera, die in der Lage ist, Gegenstände auf der Erde von nur 50 Zentimeter Größe abbilden zu können. Hergestellt wurde der Satellit von der NEC Corporation. Er ist die erste Einheit einer Reihe von kleinen Erdbeobachtungssatelliten, die Japan für Kunden im In- und Ausland bauen will.

Organisiert wird das Programm von Japan Space Systems, eine Organisation die im Auftrag des Japanischen Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie arbeitet. Ziel des Projektes ist es, Bildinformationen aus dem Orbit günstiger bereitzustellen als mit herkömmlichen, teureren Erdbeobachtungssatelliten. Mit dem Programm soll die Wettbewerbsfähigkeit bei den Preisen japanischer Hersteller von Erdbeobachtungssatelliten wieder hergestellt werden, die in den letzten Jahren an europäische und indische Anbieter verloren ging.

ASNARO 1 verwendet kommerzielle Komponenten und ein verkürztes Testverfahren um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Im Orbit operiert der Satellit weitgehend autonom.  Japan entwickelt baut gegenwärtig einen zweiten ASNARO Satelliten, der mit einem Radar ausgestattet ist. Damit kann er auch bei Nacht und schlechtem Wetter Erdbeobachtung betreiben. Das Konzept scheint sich bereits auszuzahlen. Vietnam bestellte bereits zwei Einheiten dieses Radarsateliten.

An Bord der Dnepr befanden sich noch vier weitere Raumfahrzeuge:

Der gut 60 Kilogramm schwere Hodoyoshi 1 der Universität Tokio, ein experimenteller Erdbeobachtungssatellit mit dem Bilder mittlerer Auflösung (bis 7 Meter pro Bildpunkt) aufgenommen werden sollen,

Der etwa 50 Kilogramm schwere ChubuSat 1, der von den Universitäten Nagoya und Daido gebaut wurde. Er ist mit Kameras für den optischen und den Infraroten Bereich ausgerüstet. Seine Aufgabe besteht darin, Weltraummüll aufzuspüren,

Der 49 Kilogramm schwere Tsubame, der in Zusammenarbeit mit der Universität Tokio, dem Tokioter Institut für Technologie und der JAXA entstanden, ist ein Mehrzweck-Technologiesatellit. Zum einen testet er Gyroskope für die Raumlagekontrolle. Er wird aber auch mit seinem kompakten Kamerasystem Röntgenstrahlenastronomie und Erdbobachtung durchführen.

Und die Aufgaben des ebenfalls 49 Kilogramm schwere QSAT-EOS, der von einem Konsortium entwickelt und gebaut wurde, das von der Universität Kyushu geführt wurde,  sind Desaster-Monitoring und Vegetationsbeobachtung aus dem Orbit.