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ExplosionBeim katastrophalsten Fehlstart seit Jahrzehnten in den USA ist am 27. Oktober die Antares 130 Trägerrakete, der unbemannten Cygnus-Raumtransporter und wohl auch Teile der Startanlage zerstört worden. Nur wenige Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe um 23:22 Uhr mitteleuropäischer Zeit (18:22 Uhr Ortszeit) explodierte die Rakete über dem Startgelände. Ein erstes planmäßiges Redirect-Manöver hatte die Rakete noch durchführen können, bevor ein massiver Schaden noch unbekannter Ursache auftrat.

Nur dieses allererste Ausweichmanöver verhinderte die vollständige Zerstörung der Startanlage. Derzeit noch inoffizielle Angaben lassen die Annahme zu, dass unmittelbar nach Auftreten des „katastrophalen Fehlschlags“ (um die englische Bezeichnung wörtlich zu übersetzen) die Rakete vom Range Safety Officier gesprengt wurde, um zu verhindern, dass sie als Ganzes zu Boden fiel und noch wesentlich größeren Schaden anrichtete. Mehr als 2,2 Tonnen Versorgungsgüter gingen bei dem Unfall verloren.

Das Ausmaß der Explosion war enorm. Seit Jahrzehnten ist keine US-Rakete mehr unmittelbar nach dem Verlassen der Startrampe explodiert. Der Unfall erinnert an die frühen Tage der US-Raumfahrt, als es öfters zu derlei Vorkommnissen kam. Glücklicherweise kamen keine Personen zu Schaden.

Die Vorbereitungen für den Start der Orbital Sciences Mission waren ruhig und planmäßig verlaufen. Der Start hätte eigentlich schon einen Tag früher erfolgen sollen, doch war am 27. Oktober ein Schiff in die Gefahrenzone vor der Küste von Virginia gefahren, verließ diese nicht mehr rechtzeitig, und so musste die Mission um 24 Stunden verschoben werden. Am 28. Oktober kam es zu keinerlei Verzögerungen, und so erwartete man einen planmäßigen Start zur Internationalen Raumstation.

Die Mission hätte – bei planmäßigem Ablauf - der fünfte Einsatz der Antares-Rakete und der dritte Einsatz der Cygnus-Versorgungseinheit unter einem laufenden NASA-Vertrag sein sollen. Der Contract mit der US-Raumfahrtbehörde umfasst einen Wert von 1,9 Milliarden Dollar für den Transport von insgesamt 20 Tonnen Fracht bei acht Einsätzen.

Schon kurz nach dem Unfall wurden eine Reihe von „Kondolenzen“ an Orbital gerichtet. Eine der ersten stammte vom Konkurrenten SpaceX. Der Wortlaut der über Twitter übermittelten Meldung lautete: “Sorry to hear about the @OrbitalSciences launch. Hope they recover soon.”

SpaceX könnte allerdings vom Mißgeschick von Orbital Sciences profitieren. Das Unternehmen von Elon Musk hält einen Vertrag mit der NASA über einen Wert von 1,6 Milliarden Dollar für die Durchführung von 12 Versorgungsmissionen zur ISS. Nun besteht die Möglichkeit, dass SpaceX einen größeren Anteil der Flüge übernimmt.

Die nächste Mission der Antares/Cygnus-Kombination ist gegenwärtig für den kommenden April geplant. Ob dies allerdings jetzt immer noch möglich ist, steht in den Sternen. Die Untersuchungen bezüglich der Fehlerursache laufen eben erst an. Einen weitereren Bericht von mir zum Antares-Unfall finden Sie hier.