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RückkehrkapselAm Donnerstag, dem 23. Oktober, brachte China ein unbemanntes Raumfahrzeug auf eine Flugbahn zum Mond. Der Start erfolgte vom Weltraumbahnhof Xichang in der Provinz Shichuan. Die Mission mit der Bezeichnung Chang’e 5T1 begann um 20:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit, das entspricht 2:00 Uhr Pekinger Zeit am Freitag. Als Träger wurde eine noch nie zuvor eingesetzte Variante der Langer Marsch 3 - Trägerrakete eingesetzt. Sie trägt die Bezeichnung „Langer Marsch 3C/E“. Dabei handelt es sich um eine Ableitung der Langer Marsch 3C mit verlängerter Erststufe und längeren Boostern.

Die Rakete setzte Chang’e 5T1 nach einem problemlosen Start auf einem extrem elliptischen Erdorbit mit einem Apogäum von 413.000 Kilometern ab. Der Scheitelpunkt der Bahnellipse liegt damit noch hinter der Mondbahn. Das Raumfahrzeug wird dem Mond tatsächlich nicht übermäßig nahe kommen. Die geringste Entfernung zum Erdtrabanten wird etwa 13.000 Kilometer betragen.

Der Zweck des Fluges liegt denn nicht in der Erkundung des Mondes. Vielmehr handelt es sich hier um eine reine Technologiemission, bei der das Rückkehr- und Erdlandeverfahren einer lunare Probenrückholmission im Jahr 2017 getestet wird. Dabei soll die Raumsonde Chang’e 5 in eine Mondumlaufbahn einschwenken und danach einen Lander auf dem Mond absetzen. Dieser Lander soll eine Bodenprobe aufnehmen, danach wieder in die Umlaufbahn starten und mit dem dort wartenden Orbiter zu koppeln. Der schließlich schickt dann die die Rückkehrkapsel mit der Bodenprobe zur Erde.

Vom Verfahren des Jahres 2017 wird bei der gegenwärtigen Mission der Teil erprobt, der den Rückflug aus der Mondumlaufbahn und die Landung auf der Erde umfasst. Für diesen Zweck führt Chang’e 5T eine Rückkehrkapsel des gleichen Typs mit sich, die auch bei der Chang’e 5-Mission an Bord sein wird. Bei dieser Rückkehrkapsel handelt es sich um eine maßstäblich verkleinerte Version des bemannten Shenzhou-Raumschiffes. Dies ist ein Hinweis darauf, dass China diese den Shenzhou-Design auch für das erwartete zukünftige bemannte Mondprogramm einsetzen wird.

Die Raumsonde wird auf einer freien Rückkehrbahn am Scheitelpunkt ihrer Bahnellipse durch die Schwerkraft des Mondes wieder zur Erde zurückgelenkt. Der Vorbeiflug am Mond soll am 27. Oktober stattfinden. Der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre wird am 31. Oktober mit einer Geschwindigkeit von annähernd 40.000 Kilometern pro Stunde erfolgen. Landegebiet ist ein Steppengebiet in der Inneren Mongolei. 196 Stunden nach dem Start soll die Mission beendet sein.

Die kleine Raumkapsel wird bei Eintritt in die Erdatmosphäre ein Verfahren anwenden, das zu Zeiten der Apollo-Raumfahrzeuge entwickelt wurde: Der „Skipping reentry“. Dabei taucht die Sonde in flachem Winkel in die Lufthülle ein, ähnlich wie ein über eine Wasseroberfläche geworfener Kieselstein, und katapultiert sich dabei – bildlich gesprochen – danach wieder in den Weltraum zurück, wobei sie an Fahrt verliert, bevor schließlich die Endphase der Landung beginnt. Mit diesem Verfahren lassen sich der Andruck auf das Fluggerät und die thermischen Lasten verringern und die Landegenauigkeit erhöhen. In der Schlußphase des Abstiegs wird dann ein Fallschirm ausgeworfen unter dem die Kapsel dann sanft auf den Erdboden zurückgleiten soll.

Entwickelt und gebaut wurde das Raumfahrzeug von der China Aerospace Science and Technology Corporation.

Das Mondlandeverfahren selbst hat China bereits mit der Sonde Chang'e 3 erprobt. Dieses Gerät ging am 14. Dezember 2013 auf der Oberfläche des Erdtrabanten nieder. China war damit nach der Sowjetunion und den USA das dritte Land, dem diese technologische Leistung gelang. Chang'e 3 setzte danach einen kleinen Rover mit der Bezeichnung Yutu ab, der von der Landestation wegfuhr, Bilder machte, die Zusammensetzung des Mondbodens studierte und die Tiefenstruktur mittels eines Radars erkundete.

Allerdings hatte Yutu schon bald nach dem Aussetzen von der Landesonde ein technisches Problem, wodurch er sich nie weiter als etwa 30 Meter von dieser entfernte und seit Januar vollkommen stationär ist. Seither war das Vehikel als reine Mess- und Sendestation aktiv. China hat eine nahezu baugleiche Einheit von Chang’e 3 produziert, Chang’e 4. Es wird erwartet, dass dieses Gerät noch vor dem Jahr 2017 ebenfalls zum Mond fliegt und dort gleichfalls einen Rover, wahrscheinlich Yutu 2 genannt, absetzen wird. Dem wird dann hoffentlich ein etwas mobileres Leben beschieden sein, als dem kleinen Mondauto von Chang’e 3.

Mit auf der Reise ist zum Mond noch eine kleine Nutzlast mit der Bezeichnung „4M“. Die Bezeichnung steht für „Manfred Memorial Moon Mission“. Es handelt sich dabei um eine simple Radiobake, die mit der dritten Stufe der Trägerrakete (die ebenfalls um den Mond fliegen wird) verbunden bleibt. Sie wurde zu Ehren von OHB-Firmengründer Manfredo Fuchs gestartet. Fuchs gründete auch das Unternehmen LuxSpace, das die 14 Kilogramm schwere Nutzlast entwickelte und baute. Bei 4M handelt es sich um ein Experiment für Radioamateure, die versuchen sollen, den nur 1,5 Watt starken Sender in 400.000 Kilometern Entfernung zu lokalisieren.