EncapsulationIn der medialen Vermittlung russischen Raumfahrt ist man derzeit recht vorsichtig. Kurzfristig wurde die eigentlich geplante Fernsehübertragung vom Start einer Proton M Briz M mit dem Kommunikationssatelliten Ekspress AM6 wieder abgesetzt. Zu oft hatte man in den letzten Jahren, vor allem bei den Starts von Inlands-Kommunikationssatelliten, Fehlschläge vermelden oder gar geschäftsschädigende Bilder explodierender Raketen in die Welt senden müssen.

Am 21. Oktober klappte aber alles wie am Schnürchen. Die Mission hatte um 17:09 Uhr mitteleuropäischer Zeit am russischen Weltraumbahnhof Baikonur begonnen. Dort war es bereits 21:09 Uhr lokaler Ortszeit. Alle drei Basisstufen der Proton M arbeiteten problemlos und die insgesamt vier Brennmanöver der Briz M Oberstufe verliefen ebenfalls perfekt. So konnte Ekspress AM6 gut neun Stunden nach dem Verlassen der Startrampe von der Oberstufe im geplanten Transferorbit freigegeben werden. Der war dieses Mal besonders hoch angelegt, fast schon im geostationären Bereich, mit einem Perigäum von 34.000 Kilometern, einem Apogäum von 37.000 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von nur noch 0,2 Grad.

Der 3.400 Kilogramm schwere Satellit wird jetzt in den nächsten Wochen seine endgültige geostationäre Bahn unter Einsatz elektrischer Triebwerke ansteuern. Das Gewicht erscheint relativ niedrig, doch ist zu beachten, dass hier nur noch ein geringer Anteil an chemischen Treibstoffen besteht. Normalerweise machen diese etwa 70 Prozent des Satellitengewichtes aus. Das von Reshetnev gebaute Raumfahrzeug soll in den nächsten 15 Jahren Kunden in Afrika, Westeuropa, dem nahen Osten und Russland mit digitalem Fernsehen und Rundfunk, High-Speed Internetdiensten und anderen Kommunikationsdienstleistungen versorgen. Das Raumfahrzeug gehört der RussianSatellite Communications Corporation (RSCC).

Ekspress AM6 basiert auf dem Ekspress 2000 Bus von Reshetnev und trägt 72 Transponder in vier Frequenzbändern, die ihre Sendungen über insgesamt elf Reflektoren abstrahlen. 14 Transponder senden im C-Band, 44 im Ku-Band, 12 im Ka-Band und zwei im L-Band. Die Solargeneratoren des Satelliten stellen ein Leistung von 14,2 Kilowatt zur Verfügung.