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PSLV XLWomit Europas offensichtlich größte Schwierigkeiten hat, gelingt einem Schwellenland wie Indien offensichtlich problemlos. Das Land – mittels seiner Raumfahrtbehörde ISRO – brachte am 15. Oktober mit IRNSS 1C bereits seinen dritten im Lande gebauten Navigationssatelliten mit einer ebenfalls einheimischen Trägerrakete in eine Erdumlaufbahn. Der Start erfolgte um 22:02 Uhr mitteleuropäischer Zeit (1:32 Uhr am 16.10. Ortszeit) vom SatishDhawan Space Center auf der Insel Shriharikota.

Als Träger wurde eine Rakete des Typs PSLV XL (Polar Satellite Launch Vehicle) verwendet. Diese Variante des PSLV ist mit sechs Feststoffboostern zur Startunterstützung ausgerüstet. Vier der Booster werden noch auf der Startrampe gezündet. Die beiden anderen traten nach dem Ausbrennen des Boostersatzes in Aktion und wurde 50 Sekunden nach dem Verlassen der Startanlage in einer Höhe von etwa 10 Kilometern gezündet.

Eine Minute und 50 Sekunden nach Beginn der Mission wurde die erste Stufe abgeworfen, und das Vikas-Triebwerk der zweiten Stufe (ein Lizenzbau des Viking-Triebwerks der Ariane 4) übernahm die Beschleunigung des Trägers für weitere zwei Minuten und 50 Sekunden. Danach zündete die dritte Stufe, wie Stufe eins ein Feststoffmotor, bevor die mit Hydrazin und Stickstofftetroxid betriebene Viertstufe des Trägers übernahm, und den Satelliten im Rahmen von zwei Brennmanövern in seinen vorgesehenen Übergangsorbit brachte. 20 Minuten nach dem Beginn der Trägermission wurde der Satellit von der vierten Stufe abgetrennt, und begann damit seine eigene Mission.

Die Übergangsbahn, auf die der Satellit abgeliefert wurde, weist ein Perigäum von 282 Kilometern auf, ein Apogäum von 20.670 Kilometern und eine Inklination zum Äquator von 17,9 Grad. Es wird jetzt etwa 15-20 Tage dauern, bis die Bodenkontrolle IRNSS 1C in seinen operationellen Orbit in einer geostationären Umlaufbahn dirigiert hat.

Der 1.425 Kilogramm schwere Satellit ist die dritte Einheit des IRNS-System (Indian Regional Navigation Satellite System), ein lokales Satellitennavigationssystem für Indien und seine Nachbarn. Er ist für eine Mindestlebensdauer von 10 Jahren konstruiert. Er gesellt sich jetzt zu IRNSS 1A und 1B die im Juli 2013 und im April dieses Jahres in eine Umlaufbahn gebracht worden waren. Im Dezember soll die vierte Einheit in den Orbit gebracht werden, die Nummer fünf folgt im Februar oder März 2015. Zwei weitere Einheiten, die ebenfalls im kommenden Jahr in den Orbit gebracht werden sollen, komplettieren die Konstellation.

Am Ende soll das indische Satellitennavigationssystem drei Raumfahrzeuge in einem äquatorialen geostationären Orbit umfassen und vier Raumfahrzeuge, deren Bahn um 29 Grad zum Äquator geneigt ist. Der am 15. Oktober gestartete Satellit wird zukünftig die zentrale Position der äquatorialen Satelliten einnehmen und auf 83 Grad östlicher Länge stationiert werden. Die beiden zuvor gestarteten Einheiten bewegen sich dagegen auf einer inklinierten Bahn bei 55 Grad östlicher Länge. Die zwei weiteren äquatorial geostationären Satelliten werden auf 34 und 132 Grad östlicher Länge stationiert werden, und die beiden anderen Raumfahrzeuge auf inklinierten Bahnen sollen ihre Arbeitsposition auf 111 Grad östlicher Länge finden.

Die indische Konstellation ist so ausgelegt, dass sie nur Südasien und die angrenzenden Meeresgebiete abdeckt. Aus diesem Grund kann dieses System auch mit insgesamt nur sieben Satelliten relativ klein gehalten werden. Üblicherweise werden für eine vollständige globale Abdeckung zwischen 24 und 30 Satelliten auf halbsynchronen Umlaufbahnen benötigt. Indien ist nach den USA, Russland und China die vierte Nation, die ein funktionsfähiges, vollständiges Satellitennavigationssystem in Betrieb nehmen wird.