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Sojus FGBBeim Start der ersten beiden operationellen Navigationssatelliten des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo kam es am 22. August zu einer schwerwiegenden Anomalie mit der Oberstufe der Trägerrakete. Dies führte dazu, dass die zwei Raumfahrzeug in einem nutzlosen Orbit strandeten. Es sind die ersten zwei von insgesamt 22 Satelliten, die das Bremer Unternehmen OHB baut.

Arianespace und die Europäische Weltraumorganisation feierten den Start zunächst als Erfolg, erklärten die Satelliten als „gesund“ und gaben an, dass der vorgesehene Orbit in einer Höhe von 23.500 Kilometern bei einer Bahnneigung von 55 Grad erreicht worden sei.

Die in Russland gebaute Sojus STB mit den beiden Galileo-Navigationssatelliten an Bord startete um 14:27 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guyana. Die ersten drei Stufen des Trägers funktionierten einwandfrei, und brachten die Orbitaleinheit, bestehend aus der Fregat-Oberstufe und den beiden Satelliten auf eine orbitnahe Suborbitalbahn.

Danach war die Fregat programmiert, zwei weitere Brennperioden durchzuführen, um die Raumfahrzeuge auf ihrem vorgesehenen Orbit abzuliefern. Dies schien auch so, nach den ersten Angaben, richtig erfolgt zu sein. Aber schon bald sickerten Daten des US Weltraumüberwachungsnetzes von NORAD durch, dass die Satelliten auf einem zu niedrigeren Orbit und darüber hinaus auch noch mit einer falschen Inklination flogen.

Die Daten der US-Luftwaffe zeigten drei Objekte (die beiden Satelliten und die Fregat) in einem Orbit mit einem Perigäum von 13.700 Kilometern und einem Apogäum von 25.900 Kilometern. Die Inklination liegt bei 49,7 Grad. Das ist 5,3 Grad von der Ziel-Inklination entfernt. Eine derart hohe Winkelabweichung dürfte mit den Treibstoffvorräten an Bord der Satelliten nicht auszugleichen sein. Damit kann davon ausgegangen werden, dass die beiden Satelliten auf einem nutzlosen Orbit verbleiben.

Ein gewundenes Arianespace-Statement in typischem “Firmensprech” bestätigte das. Dort hieß es: "Zusätzliche Beobachtungen, eingegangen nach dem Absetzen der Galileo FOC M1 Satelliten, deuten auf eine Diskrepanz zwischen dem angestrebten und dem erreichten Orbit hin”.  Eine Untersuchung wurde inzwischen eingeleitet.

Die Starts der Sojus-Raketen von Kourou aus werden von Russischen Crews auf den Start vorbereitet und gestartet. Die Mission am 22. August war der neunte Einsatz einer Sojus von Kourou aus. Die vorausgegangenen acht Starts waren fehlerlos verlaufen.

Das gut fünf Milliarde Euro teure Galileo-Netzwerk soll nach seiner Komplettierung aus 30 Satelliten bestehen. 24 Satelliten werden mindestens benötigt, um die Konstellation zu betreiben.  Sechs weitere Einheiten sind nötig, um auf jeder Bahnebene mindestens über eine Reserveeinheit zu verfügen.

Vor dem missglückten Start waren bereits zwei weitere Satelliten in der Vorbereitung für einen Sojus-Start im Dezember. Dieser Start ist nun in Frage gestellt. Insgesamt beabsichtigte die ESA, als Handlungsagent der EU, fünf Starts mit Sojus-Raketen durchzuführen, und damit 10 Satelliten zu starten. Alle anderen Einheiten sollen von Ariane 5-Raketen gestartet werden.

Die beiden auf falschen Bahnen abgesetzten Satelliten selbst sind im Übrigen in einwandfreier Verfassung. Alle Antennen und Solargeneratoren sind entfaltet und die Kommunikation mit den beiden Einheiten funktioniert problemlos.  Jetzt muss über ihre weitere Verwendung entschieden werden.