Es könnte endlich der lang ersehnte Weg zum Erfolg werden.  Indiens Unglücksrakete, die GSLV (Geosynchronous Launch Vehicle) führte am 5. Januar, fast ein Jahrzehnt nach dem letzten vollständig gelungenen Flug, endlich wieder eine erfolgreiche Mission durch. Dabei kam das in Indien entwickelte Kryogen- Triebwerk zum Einsatz, das in langjähriger Entwicklungszeit entstand. Als Nutzlast – sehr mutig bei der verheerenden Einsatzhistorie dieses Startgerätes – befand sich der Kommunikationssatellit GSAT-14 an Bord.

Die Mission hätte bereits im vergangenen August stattfinden sollen, doch den Startversuch plagten die üblichen Probleme der GSLV. Unter anderem trat ein ebenso unerklärliches wie riesiges Leck im Treibstofftank der zweiten Stufe auf, bei dem mehrere hundert Liter Hydrazin austraten. Dass bei einem Raketentank ein Leck dieser Größenordnung bis zum Start unentdeckt bleibt, ist wohl einzigartig in der Raumfahrtgeschichte. Es floss eine solche Menge Treibstoff aus, dass nicht nur das gesamte Vehikel, sondern auch die Startanlage dekontaminiert werden mussten. Die Rakete wurde dabei komplett auseinander genommen.

Die GSLV ist Indiens stärkste Trägerrakete. Ihr Erstflug erfolgte im April 2001. Der scheiterte damals an einer Minderleistung der dritten Stufe. Die Nutzlast, der Kommunikationssatellit GSAT-1, konnte die zu niedrigen Bahnwerte  nicht mit dem Bordtriebwerk ausgleichen, und musste als Totalverlust abgeschrieben werden. Die zweite und dritte Mission in den Jahren 2003 und 2004 gelangen. Es sollten die einzigen Erfolge dieser Rakete bleiben.

Beim Start der vierten GSLV versagte einer der Booster. Die Nutzlast, der Kommunikationssatellit INSAT-4 wurde zerstört. Auch der Start des Ersatzsatelliten, INSAT-4R (R für „replacement“) auf der fünften GSLV konnte nur als Teilerfolg verzeichnet werden. Wieder kam es zu einer Minderleistung der dritten Stufe, die aber dieses Mal im weiteren Verlauf der Mission vom Bordtriebwerk des Satelliten ausgeglichen werden konnte. Allerdings erheblich zu Lasten seiner Lebensdauer.

Im April 2010 startete bei der sechsten Mission die GSLV erstmals in der Version GSLV Mark II, mit der in Indien entwickelten Oberstufentriebwerk. Dieser Raketenmotor versagte aber und die Nutzlast, GSAT-4, ging verloren.

Im Dezember des selben Jahres startete eine weitere GSLV Mark I, die aber schon 53 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe explodierte. Dabei wurde der Kommunikationssatellit GSAT-5P vernichtet. Nach diesem erneuten Fehlschlag wurden alle weiteren geplanten Flüge mit dem GSLV abgesetzt.

Die GSLV ist auch konstruktiv ein Missgriff. Die eigenartige Mischkonstruktion aus Feststofftreibsätzen und Flüssigkeitstriebwerken ist dem Umstand zu verdanken, dass Indien möglichst viele im eigenen Land produzierten Systeme einsetzen will, auch wenn dies erheblich zu Lasten der Performance geht.

Die erste Stufe wird mit festem Treibstoff betrieben. Es ist der selbe Motor, den auch die PSLV, der andere (und wesentlich erfolgreichere) indische Träger einsetzt. Vier flüssigkeitsbetriebene Booster unterstützen die erste Stufe. Sie werden mit Triebwerken aus dem Ariane 4-Programm betrieben, die in Indien „Vikas“ heißen, und bei denen es sich um in Lizenz gebaute französische Viking-Triebwerke handelt. Nachdem die Zentralstufe eine um 20 Sekunden kürzere Brennzeit als die Booster hat, bedeutet das, dass die Booster in dieser Zeit das tote Gewicht der Zentralstufe – etwa 20 Tonnen - mitschleppen müssen, was eine gewaltige Leistungseinbuße bedeutet.

Auch die zweite Stufe verwendet ein Vikas-Triebwerk. Die dritte Stufe setzte in der Version Mark I ein russisches Kryogentriebwerk des Typs RD-56 ein, in der Mark II-Version  das neu entwickelte indische CE-7.5 Triebwerk.

Dieses Mal ging zur großen Erleichterung der indischen Manager alles gut und der zwei Tonnen schwere GSAT-14 erreichte präzise den vorgesehenen Orbit. Er wird sich jetzt mit seinen eigenen Triebwerken aus der geostationären Transferbahn auf die endgültige geostationäre Position bei 74 Grad östlicher Länge bewegen.

Astra