DneprIn den letzten Jahren ist es ziemlich ruhig geworden um diesen exotischen Satellitentransporter, aber heute war er wieder einmal im Einsatz. Eine russische Trägerrakete des Typs Dnepr brachte am 22. August den südkoreanischen Umweltforschungssatelliten KOMPSat-5 in eine polare Umlaufbahn. Bei der Dnepr handelt es sich um die „Zivilversion“ der schweren russischen (und vormals sowjetischen) Interkontinentalrakete SS-18, die im Jargon des Kalten Krieges unter ihrer Nato-Code-Bezeichnung „Satan“ bekannt wurde.

Bei den russischen Streitkräften wurde sie – wesentlich weniger aufgeregt – als R-36MUTTH – geführt. Insgesamt wurden über 300 dieser Raketen in mehreren Versionen produziert. Die meisten davon wurden ein „Opfer“ der Abrüstungsverträge zwischen Russland und den USA. Diese Verträge verlangen, dass die Raketen entweder zerstört, oder aber bei zivilen Einsätzen verbraucht werden. Sehr großen Anklang fand diese Rakete bei den Nutzern allerdings nicht, denn seit dem 15. April 1998, dem Tag ihres ersten Zivileinsatzes, wurde sie nur – den heutigen Start eingerechnet – 19 mal für nichtmilitärische Einsätze verwendet. Der letzte Start liegt dabei schon gut zwei Jahre zurück. In diesem Jahr sieht es allerdings besser aus, denn die Dnepr soll schon in drei Monaten erneut zum Einsatz kommen und dann insgesamt 23 Kleinsatelliten in den Orbit transportieren.

Der militärische Ursprung der Dnepr wird schon im Startverfahren ersichtlich. Denn auch bei zivilen Einsätzen muss die Rakete aus einem Silo starten. Sie wird dabei mittels eines Heißgas-Generators buchstäblich aus der Abschussröhre geschleudert bevor dann in 20 Metern Höhe die Zündung der ersten Stufe erfolgt. Die Dnepr ist 34 Meter hoch und wiegt über 210 Tonnen. Sie ist damit weitaus schwerer, als in den sechziger bis neunziger Jahren die seinerzeit schwerste US-Nuklearträgerrakete, die Titan II.

Der Start am 22. August, um 16:39 Uhr mitteleuropäischer Zeit, erfolgte denn auch nicht von Baikonur oder von Plesetzk aus, sondern von der Startanlage 370/13 der Militärbasis Dombarowski, im Westen besser bekannt als “Yasny”.  Diese Startbasis wird ausschließlich für die Dnepr benutzt und auch dies bislang nur vier mal.

Die Nutzlast bei dieser Mission war der Südkoreanische Mehrzwecksatellit Arirang-5, der zum KOMPSat-Programm gehört und deshalb auch als KOMPSat-5 bezeichnet wird. Anders als es der Name vermuten lässt ist KOMPSat-5 nicht der fünfte, sondern erst der vierte Satellit der KOMPSat-Reihe. Die Nummer vier wurde aber ausgelassen, da sie in Südkorea als Unglückszahl gilt.

KOMPSat-5 ist ein Radarsatellit. Er hat ein Startgewicht von 1.400 Kilogramm und eine erwartete Lebensdauer von mindestens fünf Jahren. Er wird über zwei Solargeneratoren mit Strom versorgt, die zusammen 1,4 Kilowatt Leistung erzeugen. Die Datenübertragung zum Boden funktioniert über X-Band und ermöglicht eine maximale Übertragungsrate von 310 Megabit pro Sekunde. Für die Telemetrie- und Kommandofunktionen ist er zusätzlich mit einem S-Band Empfänger- und Sender ausgerüstet.

Das Hauptinstrument an Bord von KOMPSat-5 ist das “Corea SAR Instrument”, kurz “COSI”, ein Synthetic Aperture Radar mit dem Bilder der Erde aufgenommen werden. COSI verwendet X-Band Radiosignale mit einer Frequenz von 9,66 Gigahertz. Das SAR-Instrument alleine hat eine Masse von 520 Kilogramm. Das maximale Auflösungsvermögen dieses Instrumentes liegt bei nur einem Meter. Im normalen Betriebsmodus beträgt die Auflösung immerhin noch drei Meter.

KOMPSat-5 wird in einem kreisförmigen, sonnensynchronen Orbit in einer Höhe von 550 Kilometern und einer Bahnneigung von 97,6 Grad operieren. In dieser Höhe hat er eine „Revisit-Rate“ von 28 Tagen, das heißt, er überfliegt alle 28 Tage den selben Ort der Erde erneut.  Die Startphase der Mission verlief ganz offensichtlich perfekt. 17 Minuten nach der Freigabe von der dritten Stufe des Trägers meldete sich das Raumfahrzeug bei einer Bodenstation in der Antarktis.