Delta 4M+ (5,4)Da sage noch einer, die USA hätten keine treuen Alliierten mehr. Eine Mission die vollständig von Australien finanziert worden war, aber zum US-amerikanischen Wideband Global SATCOM (WGS) System gehört, startete am 8. August um 2:29 Uhr mitteleuropäischer Zeit von Cape Canaveral aus. Das insgesamt sechste Raumfahrzeug dieser Serie militärischer Nachrichtensatelliten wurde zwar, wie auch seine fünf Vorgänger, von Boeing gebaut, aber von den australischen Streitkräften bezahlt. Im Gegenzug erwirbt der Südkontinent damit Nutzungsrechte für dieses System.

Die Trägerrakete vom Typ Delta 4M+ (5,4) der United Launch Alliance verließ den Startkomplex 37 in Florida um 20:29 Uhr amerikanischer Ostküstenzeit. Diese Kennzeichnung bedeutet, dass der Träger – im Gegensatz zur Delta 4 „Heavy“ nur über ein einzelnes Zentralstufen-Element verfügt (anstatt drei, wie bei der „Heavy“), eine fünf Meter durchmessende Nutzlastverkleidung einsetzt und durch vier GEM-60 Feststoffmotoren beim Start verstärkt wird. Nach einem 41minütigen Aufstieg in einen supersynchronen Orbit gab das Trägerfahrzeug den Satelliten frei. Die erreichten Orbit-Parameter wiesen ein Perigäum von 440 Kilometern auf, ein Apogäum von 67.000 Kilometern und eine Bahnneigung zum Äquator von 24 Grad.

Die Zusammenarbeits-Vereinbarung zwischen den Australischen Verteidigungskräften und dem US Department of Defense (DoD) datiert zurück auf das Jahr 2007 und läuft noch bis 2029. Die WGS-Konstellation wird mindestens 10 Satelliten umfassen. Sie ersetzt das alte so genannte „Defense Satellite Communication System“ (DSCS). Jeder der neuen WGS-Satelliten verfügt über die 10fache Kapazität eines der alten  DSCS-Raumfahrzeuge.

Der Nutzungs-Deal beinhaltet aber nicht nur Australien. Zusätzlich sind auch noch Kanada, Dänemark, Luxemburg, die Niederlande und Neuseeland mit von der Partie. Diese Länder finanzieren gemeinsamt WGS 9, der 2015 starten soll. Dafür erhalten sie, genau wie Australien, einen vertraglich definierten Nutzungsanteil an dem System.

Das Kommunikationspaket auf den WGS-Satelliten ist mit steuerbarenSpotbeamsunterschiedlicher Bandbreite ausgerüstet. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, zwischen verschiedenenKommunikationsbändern zu wechseln. So kann zum Beispiel ein Kriegsschiff, das typischerweise im X-Band senden wird, über WGS mit jemandem anderen im Ka-Band kommunizieren und umgekehrt. Der Transfer von einem Sender-/Empfängertyp zum anderen,der früher auf dem Boden gemacht wurde, nimmt jetzt der Satellit selbst vor.

Im X-Band können Daten, Fotos und Videos zu den Truppen auf dem Gefechtsfeld übermittelt werden.  Gleichzeitig können aber auch hohe Datenvolumina im Ka-Band an Computerterminals weltweit versendet werden. Damit können beispielsweise Kommandanten im Gefechtsfeld Videokonferenzen mit Befehlshabern in weit entfernten Kommandozentralen durchführen, oder die neuesten Geheimdienstdaten empfangen.

WGS 6 ist sowohl mit konventionellen chemischen Triebwerken wie auch mit Ionentriebwerken ausgerüstet. Die ersten drei Monate seiner orbitalen Tätigkeit wird er damit verbringen, sich aus seinem Absetzorbit in eine geostationäre Umlaufbahn zu manövrieren. Die dortige Lebensdauer des Satelliten wird auf mindestens 14 Jahre veranschlagt.