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Acht Jahre nachdem das Alphasat-Programm begann, startete Europas neuer Super-Nachrichtensatellit am 25. Juli endlich im Weltraum. Das Raumfahrzeug ist die erste Einheit einer neuen Reihe schwerer Kommunikationssatelliten, die mit allem ausgerüstet sind, was heute auf diesem Sektor an neuester Technik (und für viel Geld) zu haben ist. Sozusagen die Mercedes S-Klasse unter den Kommunikationssatelliten.


Um 16:54 Uhr Ortszeit Kourou, das entspricht 21:54 Uhr mitteleuropäischer Zeit, hob die Trägerrakete vom Typ Ariane 5 ECA zur Mission VA 214 ab. Nach dem neuen Arianespace-Nummerierungssystem bedeutet das, dass es sich um den 214. Flug einer Ariane-Rakete handelt, wobei diese Zählung bis auf den Erstflug der Ariane 1 im Jahre 1979 zurückgeht. Für die Ariane 5 war es der 70. Einsatz.

Der 6,7 Tonnen schwere Alphasat war aber nicht die einzige Nutzlast an Bord des Trägers. Als zweiter Passagier war der 2,2 Tonnen schwere indische Mehrzweck- Meteorologiesatellit INSAT 3D der indischen Weltraumagentur ISRO mit an Bord.

Alphasat ist ein Projekt, das in einer Public-Private-Partnership zwischen Inmarsat, der europäischen Weltraumagentur ESA und der französischen Weltraumagentur CNES abgewickelt wurde. Hauptaufgabe des von Astrium in Zusammenarbeit mit Thales Alenia gebauten Alphasat ist die Gewährleistung einer Kommunikation über mehr als 750 Kanäle im L-Band für Inmarsat. Für diesen Zweck führt er einen Entfaltreflektor mit einem Durchmesser von elf Metern mit sich. Der Satellitenbus selbst misst 7,1 x 2,5 x 2,8 Meter. Die Spannweite der Solarpaneele beträgt 40 Meter. Sie liefern am Ende der geplanten Lebenszeit von 15 Jahren zwölf Kilowatt Strom. Alphasat wird im geostationären Orbit auf 25 Grad Ost positioniert. Er deckt mit seinen Leistungen Europa, den Nahen Osten und weitere Teile Asiens und Afrikas ab.

Die ESA ist mit vier eigenen Demonstrationsnutzlasten mit an Bord des Alphasat: eine Laser-Einheit zur Erprobung einer darauf basierenden LEO-GEO-Kommunikation, eine Q/V-Band-Kommunikationseinheit für entsprechende Anwendungstests, ein fortgeschrittener Sternensensor mit aktiven Pixel-Detektor und Messgeräten zur Überwachung der Strahlung im geostationären Orbit und ihrer Auswirkungen auf elektronische Komponenten und Sensoren.

Der Ariane-Start folgte exakt der geplanten Choreografie. Pünktlich um 21:54 Uhr mitteleuropäischer Zeit zündete das Vulcain-2-Triebwerk der ersten Stufe. Nach einem Funktionstest von sieben Sekunden wurden auch die beiden Feststoff-Booster gezündet und die Rakete hob ab. Booster-Trennung und Abwurf der Nutzlastverkleidung erfolgten nach rund zwei- beziehungsweise dreieinhalb Minuten. Neun Minuten nach dem Start, dann schon in einer Höhe von170 Kilometer, wurde die erste Stufe abgeschaltet. Danach trennte sich die Orbitaleinheit, bestehend aus Oberstufe und dem Satellitenstack und zündete das HM-7B-Triebwerk.  Alphasat wurde 28 Minuten nach dem Start in 1.100 Kilometer Höhe und INSAT 3D nach weiteren fünf Minuten in 2.200 Kilometer Höhe ausgesetzt.

Die Abmessungen von INSAT 3D betragen 2,4 x 1,6 x 1,5 Meter. Das Raumfahrzeug wird auf einer geostationären Position von 82 Grad Ost über Indien stehen. Er ist unter anderem mit einer Sechs-Kanal-Bilderfassungseinheit und einem 19-Kanal-Infrarot-Radiometer ausgerüstet. Der Entfaltreflektor an Bord von INSAT 3D hat einen Durchmesser von 11 Metern. Die Solargeneratoren an Bord des Satelliten stellen eine elektrische Leistung von 1,1 Kilowatt zur Verfügung.

Der Satellit soll für die Vorhersage extremer Wetterlagen, aber auch der Identifizierung von Flächenbränden auf dem Subkontinent eingesetzt werden. Im Katastrophenfall kann INSAT 3D auch Such- und Hilfsaktionen unterstützen. Dazu führt er entsprechende Technik mit. Der Satellit wurde von der ISRO in Bangalore entwickelt und gebaut. Seine vorgesehene Lebensdauer beträgt sieben Jahre.