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MUOS 2Eine von Lockheed Martin gebaute Atlas 5 der United Launch Alliance in ihrer leistungsstärksten Variante brachte am 19. Juli ihre bislang schwerste für den geostationären Orbit vorgesehene Nutzlast in einen Transferorbit. Der Liftoff des „Mobile User Objective System Satellite 2“, kurz MUOS genannt, erfolgte exakt um15:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Startkomplex 41 der Cape Canaveral Air Force Station aus.

Die Trägerrakete trat ihre Reise dabei in der Version 551 an. Die zweite „5“ in dieser Ziffernfolge bedeutet, , dass sie mit fünf Zusatz-Boostern leistungsverstärkt wurde um das fast sieben Tonnen schwere Raumfahrzeug in den Orbit zu bringen. Die erste „5“ ist ein Hinweis darauf, dass bei dieser Mission eine Nutzlastverkleidung mit einem Durchmesser von fünf Metern eingesetzt wird. Die „1“ am Schluss der Ziffernfolge erläutert, dass eine Centaur-Oberstufe mit einem einzelnen RL-10 Triebwerk zur Verwendung kam. Es wäre auch eine Variante mit zwei Triebwerken möglich.

93 Sekunden nach dem Abheben der Rakete waren die fünf Feststoffbooster ausgebrannt, verblieben aber noch für 20 Sekunden an der Rakete, bis die aerodynamischen Lasten soweit gesunken waren, dass ihr Abwurf gefahrlos vonstatten gehen konnte. Nach drei Minuten und 30 Sekunden wurde die Nutzlastverkleidung abgeworfen. Nach vier Minuten und 26 Sekunden wurde das Erststufentriebwerk stillgelegt und weitere acht Sekunden später wurde die erste Stufe abgetrennt. Noch einmal elf Sekunden danach zündete das RL-10 Centaur-Triebwerk der Oberstufe für eine erste Brennphase.

Zwölf Minuten und 26 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe wurde das Oberstufentriebwerk zum ersten Mal für eine Dauer von acht Minuten stillgelegt. Zu diesem Zeitpunkt hat die Orbitaleinheit, bestehend aus der Oberstufe und dem Satelliten einen niedrigen Parkorbit erreicht. 20 Minuten und 28 Sekunden nach dem Abheben zündete die Oberstufe erneut für gut sechs Minuten. Danach hatte die Einheit eine Bahnellipse mit einem Apogäum erreicht, das bis in den geostationären Orbit hinaufreichte.

Nach dieser zweiten Zündung der Oberstufe folgte eine Driftphase von zweieinhalb Stunden bevor eine letzte Zündung mit einer Dauer von knapp einer Minute erfolgte. Drei Minuten und 39 Sekunden nach Beendigung des letzten Brennmanövers wurde MUOS 2 abgesetzt. Die zu diesem Zeitpunkt erreichten Orbitparameter wiesen ein Perigäum von 3.800 Kilometern auf, ein Apogäum von 35.800 Kilometern und eine Bahnneigung zum Äquator von 19,1 Grad. Von dieser Position aus begibt sich MUOS 2 mit seinem Bordtriebwerk auf die endgültige geostationäre Bahn.

MUOS 2 ist die zweite Einheit einer Konstellation, die am Ende aus vier Raumfahrzeugen bestehen wird. Alle vier Satelliten werden auf Basis des A2100 Satellitenbus von Lockheed Martin gebaut. Das erste Raumfahrzeug dieser Serie wurde, ebenfalls mit einer Atlas 5, am 24. Februar 2012 in den Orbit gebracht. MUOS 2 weist ein Startgewicht von 6.740 Kilogramm auf. Das Raumfahrzeug verfügt über einen entfaltbaren 14-Meter Reflektor, mit dem die Sendungen an die Empfänger auf dem Boden abgestrahlt werden.

MUOS 2 wird zusammen mit MUOS 1 eine Reihe von Diensten für die US-Streitkräfte zur Verfügung stellen, deren gemeinsame Basis Ultrahochfrequenz-Kommunikation ist. Im Wesentlichen wird das eine Art erweiterter Smartphone-Service für Soldaten im Gefechtsfeld sein. Heutige Datensysteme erfordern, dass ein Soldat im Gefechtsfeld stationär sein muss, um solche Daten empfangen und senden zu können. Die MUOS Satelliten erlauben den Datentransfer auch in der Bewegung und das mit einer bis zu zehnfach höheren Datenrate als bisher.

Die gewöhnlich gut unterrichtete Fachpublikation Aviation Week gab bekannt, dass die Einrichtung dieses Systems inklusive der Betriebskosten, der vier Satelliten und der Trägerfahrzeuge 3,3 Milliarden Dollar kostet.