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Im dritten Anlauf klappte es endlich. Die mit wesentlicher russischer Hilfe entwickelte südkoreanische Trägerrakete „Naro“ erreichte am 30. Januar, nach zwei vorausgegangenen Fehlversuchen eine Umlaufbahn. Der Start begann um 8.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom – genau wie die Rakete „Naro“ genannten - Raumfahrtzentrum im Süden der Provinz Jeolla. Das liegt etwa 500 Kilometer südlich von Seoul. Vor Ort war es da schon 16 Uhr am Nachmittag. Als Nutzlast befand sich der Satellit STSat 2C an Bord.

Die Naro 1, die auch als KSLV-1 (für „Korean Space Launch Vehicle 1“) bezeichnet wird, entstand in Kooperation zwischen Russland und Südkorea. Die erste Stufe entspricht in weiten Teilen dem UM 1-Antriebsblock UM 1 der zukünftigen russischen Trägerrakete Angara. Sie wurde vollständig von Chrunitschew in Russland gebaut. Statt des in der Angara künftig eingesetzten RD 191 - Haupttriebwerks verwendet die Naro 1 jedoch eine schubreduzierte Version mit der Bezeichnung RD 151. Dieser Raketenmotor leistet einen Schub von 1.670 KiloNewton. Beide sind Varianten des in der Zenit und in der Atlas 5 eingesetzten RD 171-Triebwerks.

Die Oberstufe arbeitete mit einem Feststoffmotor, dessen Schubleistung 86 Kilonewton beträgt. Sie hat eine Brennzeit von nur 25 Sekunden. Diese Stufe wurde komplett in Südkorea entwickelt und gebaut. Die gesamte Rakete wiegt beim Start 140 Tonnen und ist 33 Meter lang.

Unmittelbar nach dem Verlassen der Startrampe absolvierte die Rakete mehrere deutlich wahrnehmbare Richtungsänderungen, um das Überfliegen bewohnter Gebiete zu vermeiden. Anschließend stieg sie immer schneller in den blauen Himmel über dem Startgelände. Nach knapp 4 Minuten wurde die ausgebrannte erste Stufe abgeworfen. Danach erfolgte eine Freiflugphase, in welcher die zweite Stufe und der Satellit das Apogäum der Bahn ansteuerten. Etwa neun Minuten nach dem Abheben zündete die zweite Stufe und platzierte dann den Satelliten in den vorgesehenen Orbit.

Zwei frühere Startversuche waren gescheitert. Beim ersten Fehler im August 2009 löste sich die Nutzlastverkleidung nicht vollständig, wodurch die Nutzlast zu schwer war und so den geplanten Orbit nicht erreichen konnte. Beim zweiten Versuch im Juni 2010 schien es zu einem Interface-Problem zwischen erster und zweiter Stufe gekommen zu sein.

Südkoreas erster erfolgreiches Orbitalstart kommt nur sieben Wochen nach dem ersten erfolgreichen Satellitenstart einer nordkoreanischen Trägerrakete. Am 12. Dezember hatte eine Unha 3 den Erdbeobachtungssatelliten Kwangmyŏngsŏng 3 in einen Erdorbit gebracht. Allerdings blieb dieser Satellit aus unbekannten Gründen inaktiv.

ST SAT-2C wurde von der koreanischen Raumfahrtagentur gebaut. Die Bezeichnung steht für Science & Technology. Der etwa 100 kg schwere Satellit ist mit einem Laserreflekor zur zentimetergenauen Bahnvermessung, einer Langmuir-Sonde für Plasmamessungen, dem Space Radiation Effects Monitor (SREM), einem Gerät zur Messung der Umgebungsbedingungen des Satelliten sowie unterschiedlichem Testgerät ausgerüstet. Zu letzteren gehören ein Drallrad, ein Infrarot-Sensor sowie ein Femtosekunden-Laseroszillator, die ihre Tauglichkeit für den Weltraumeinsatz nachweisen sollen. Energie bezieht STSat 3C über zwei kleine Solarzellenpaneele sowie Solarzellen, die auf der Außenseite des Körpers angebracht sind.

Die Systeme des Satelliten sollen ein Jahr lang in Betrieb bleiben. Der Überprüfungsprozess wird allerdings zunächst einige Stunden in Anspruch nehmen. Die Bahn des Raumfahrzeugs weist ein Perigäum von  292 Kilometern und ein Apogäum von 1.510 Kilometern auf. Die Bahnneigung zum Äquator beträgt 80,3 Grad.

Astra