Header

MissionslogoIn den frühen Morgenstunden des 6. Dezember – mitteleuropäischer Zeit -  startete eine Atlas 5 501 der United Launch Alliance vom Startkomplex 3E der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien. Die Hauptnutzlast an Bord des Trägers war der Spionagesatellit NRO-L39 des National Reconnaissance Office. Mit an Bord war aber die „Government Experimental Multi-Satellite“-Nutzlast, kurz GEMSat genannt, eine Startvorrichtung mit der insgesamt zwölf Nanosatelliten im Orbit abgesetzt wurden. Wie üblich bei militärischen US-Starts wurde die Übertragung vom Start mit dem Zeitpunkt beendet, an dem sich die Nutzlastverkleidung von der Rakete löste.

Obwohl von offizieller Seite nichts über den Einsatzzweck des Raumfahrzeugs zu erfahren ist, gehen kundige Beobachter des militärischen US-Raumfahrtprogramms davon aus, dass es sich bei NRO-L39 um einen Radaraufklärer handelt. Es dürfte sich um die dritte Flugeinheit der Radarsatelliten der Topaz-Serie handeln.

Der Start der Atlas 5 erfolgte genau um 8:14:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit am 6. Dezember. Am Startort war es da noch 23:14:30 Uhr am Vorabend. Offizielle Stellen erklärten den Start erst einige Stunden später für erfolgreich. Es war dies die achte Mission eine Atlas 5 in einem Jahr. Das ist eine neue Rekordmarke. Die zwölf Kleinsatelliten wurden etwa drei Stunden nach dem Verlassen der Startrampe vom Träger freigegeben.

Die Atlas 5 flog in der "501" Konfiguration, mit einer fünf Meter durchmessenden Nutzlastverkleidung, ohne zusätzliche Feststoff-ooster und einer Centaur-Oberstufe mit einem einzelnen RL-10 Triebwerk.  Die Fairing ist die mittlere Größe der in der Schweiz bei RUAG gebauten Nutzlastverkleidung, die auch die Ariane verwendet. Damit hat die Rakete eine Gesamtlänge von 64 Metern. In dieser Version ist die Atlas 5 bislang nur einmal zuvor geflogen, und zwar im September 2010, wo sie ebenfalls einen klassifizierten Satelliten für das NRO in den Orbit flog. Die Beobachter haben festgestellt, dass die Rakete beim heutigen Start exakt die gleiche Aufstiegsbahn flog, wie vor gut drei Jahren. Damals wurde das Raumfahrzeug, wie heute, in einem retrograden Orbit mit einer Inklination von 123 Grad in 1.100 Kilometern Höhe abgesetzt. Eine Delta 4 brachte schließlich im April 2012 einen Satelliten ebenfalls genau in diese Umlaufbahn. Die Topaz-Satelliten stehen damit auch in Zusammenhang mit der Lacrosse/Onyx-Konstellation, die auf 57 Grad Inkliniation unterwegs ist, dem prograden Gegenstück zur 123 Grad Bahnneigung.

Aus Dokumenten über den US-Staatshaushalt kann entnommen werden, dass die Topaz-Konstellation insgesamt aus fünf Satelliten bestehen wird, bevor man zu einem verbesserten „Block 2“ upgrade übergeht. Die Topaz-Satelliten sind die Überbleibsel des in Schwierigkeiten geratenen “Future Imagery Architecture Program”, das stark beschnitten wurde, nachdem es Kostenüberzüge in Höhe von mehreren Milliarden Dollar gegeben hatte, die zur Stornierung der optischen Komponente des Systems führte. Die Radarkomponente des Systems jedoch, Satelliten die von Boeing gebaut werden, blieb.

Nach der Freigabe des Hauptpassagiers setzte die Centaur Oberstufe mittels des GEMSat-Startgerätes insgesamt zwölf Cubesats ab. Sieben davon stammen vom US-Militär, fünf von Bildungseinreichungen, respektive der NASA.

  • AeroCube 5A und 5B sind zwei 1,5-Unit-Cubesats der Aerospace Corporation, mit der Techniken für das Ansteuern und Verfolgen zwischen zwei Cubesats erprobt werden soll, sowie ein Experiment mit dem das De-Orbiting von Satelliten beschleunigt werden kann.
  • ALICE, ein „3-Unit-Cubesat, entwickelt vom Technologie-Institut der US-Luftwaffe, erprobt den Gebrauch von Nano-Tubes als Elektronenquellen für Ionenantriebe.
  • Vier 3-Unit-Cubesats des U.S. Army Space and Missile Defense Command, mit den Bezeichnungen SNaP 1, TacSat-6, SMDC-ONE 2.3 und SMDC-ONE 2.4. Sie testen neue Kommunikationstechnologien.
  • CUNYSAT 1, ein „Singlie-Unit Cubesat“, entwickelt vom Medgar Evans College an der City University von New York. Dient schulischen Zwecken für Studenten und beobachtet die Ionosphäre der Erde.
  • IPEX, das “Intelligent Payload Experiment” ist ein „Single-Unit Cubesat“ der California Polytechnic State University. Der Kleinstsatellit trägt mehrere Kameras mit niedrigem Auflösungsvermögen und verschiedene Prozessoren, die wissenschaftliche Instrumente simulieren.
  • M-Cubed-2, ein „Single-Unit Cubesat“ der Universität von Michigan ist eine Erdbeobachtungs- und Technologiemission zur Erprobung von Techniken zur Echtzeitübermittlung hoher Datenraten.  An Bord des Mini-Satelliten befindet sich eine zwei-Megapixel-Kamera, mit der Erdaufnahmen gemacht werden sollen.
  • FIREBIRD 1A und 1B, zwei 1,5-Unit-Cubesats vom Montana State University's Space Science and Engineering Laboratory und der Universität von New Hampshire untersucht das Phänomen der so genannten “Microbursts” im äußeren Van Allen Strahlungsgürtel.

Die nächste Mission einer Atlas 5 ist für den 23. Januar geplant. Dann soll ein Tracking and Data Relay Satellit der NASA in den Orbit gebracht werden.