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Falcon 9SpaceX's neueste Trägerrakete, die Falcon 9 v1.1, führte am 29. September einen weitgehend erfolgreichen Jungfernflug durch. Anders als es die Bezeichnung glauben macht, ist dieser Träger nicht nur eine leicht modifizierte Version der bisher eingesetzten Falcon 9 v1.0, sondern praktisch eine komplett neue Rakete. Angefangen von Computer-Upgrades, über neue Triebwerke, wesentlich verlängerte Tanks bis hin zur zukünftigen Wiederverwendbarkeit ist alles neu an diesem Weltraumtransporter.Die Leistung der Falcon 9.1.1.R liegt auch um 80 Prozent höher als die ihres Vorgängermodells.

Der Flug war der insgesamt elfte Start einer Falcon-Rakete, der sechste einer Falcon 9 und der erste der Falcon 9 v1.1. Für SpaceX soll dieser Träger das Arbeitspferd der kommenden Jahre werden, gewissermaßen die DC-3 der Raumfahrt. Das Unternehmen muss mit dieser Rakete einen Auftragsbestand im Wert von drei Milliarden Dollar für Startdienstleistungen abarbeiten.

Die über 68 Meter lange Rakete zündete ihre neun Merlin 1D Triebwerke genau um 9:00 Uhr Ortszeit (18:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit) und stieg danach in den wolkenlosen blauen Himmel über der Luftwaffenbasis Vandenberg. 70 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe durchbrach sie die Schallmauer.Die Triebwerke leisteten einen Schub von fast 600 Tonnen und brachten sie innerhalb von zwei Minuten und 43 Sekunden über die dichten Schichten der Erdatmosphäre. Danach erfolgte MECO 1 (Main Engine Cut Off 1), und die Raketenmotoren der ersten Stufe wurden stillgelegt. Sieben Sekunden später trennten sich die beiden Stufe voneinander und das einzelne Triebwerk der zweiten Antriebseinheit übernahm die weitere Beschleunigung.

Die Mission war der erste Falcon 9-Flug, bei dem eine Nutzlastverkleidung eingesetzt wurde. Alle bisherigen Falcon 9's trugen entweder eine Dragon-Kapsel, oder zumindest das Mockupeiner Dragon. Dafür wird keine Fairing benötigt. Die neue Nutzlastverkleidung ist 13 Meter lang und hat einen Durchmesser von 5,2 Metern.Die Falcon 9 v1.1 ist in der Lage, eine Nutzlast von mehr als 13 Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn zu bringen, oder etwa 4,8 Tonnen auf einen geostationären Transferorbit.

Neun Minuten nach dem Verlassen der Startrampe erreichte die Oberstufe mit ihren Nutzlasten den vorgesehenen Orbit. Das Perigäum betrug danach 325 Kilometer, das Apogäum 1.500 Kilometer und die Bahnneigung zum Äquator betrug 80 Grad.Auch das Absetzen der Satelliten klappte einwandfrei. Es waren dies der gut 500 Kilogramm schwere kanadische Forschungssatellit Cassiope, gebaut von der MDA Corporation, der 41 Kilogramm schwere Nanosatellit CUSat von der Cornell Universität, der 50 Kilogramm schwere DANDE (kurz für Drag & Atmospheric Neutral Density Explorer) von der Universität von Colorado und die drei POPACS-Satelliten (Abkürzung für Polar Orbiting Passive Atmospheric Calibration Sphere) der Drexel University. Letztere sind drei exakt gleich große (nämlich genau 10 Zentimeter durchmessende) aber unterschiedlich schwere (1, 1,5, 2 kg) Kugeln, die mit Sand gefüllt sind. Die Bahnstörungen, die auf diese Körper unterschiedlicher Masse aber gleicher Größe einwirken, sollen genau beobachtet werden.

Die Hauptnutzlast der Mission, der gut 500 Kilogramm schwere sechseckige Cassiope-Satellit wurde für die MDA Corporation gestartet. Die Mission ist eine Partnerschaft zwischen MDA, der Kanadischen Raumfahrtagentur, der Universität von Calgary und der kanadischen Industrieentwicklungsagentur. Cassiope wird die Ionosphäre auf die Auswirkungen ihrer Interaktionen mit der Sonneneinstrahlung untersuchen.

Die meisten Missionszieledes Testflugs konnten erreicht werden, jedoch nicht alle. SpaceX-Chef Elon Musk bezeichnete diese Ziele als "optional". SpaceX hofft zukünftig die erste Stufe der Falcon 9 wieder verwenden zu können, und führte dazu bei diesem Flug bereits ein erstes Versuchsprogramm durch. Die Stufe war programmiert, nach der Stufentrennung zwei weitere Brennmanöver durchzuführen, um sie zu einer möglichst weichen Landung auf dem Wasser herunterzubringen.

Elon Musk bestätigte, dass die erste Wiederzündung, mit der die Stufesicher in die tiefenSchichten der Atmosphäre rückgeführt wird, einwandfreifunktioniert hatte. Es istübrigens das erste Mal in der Geschichte der Raumfahrt, dasseineErststufe ein zweites Mal gezündetwird. Auch diese zweiteZündung war imPrinziperfolgreich, die Stufe geriet allerdings in der Endphase des Abstiegs in eineTaumelbewegung, derenZentrifugalkräftedazuführten, dass die Treibstoffzufuhrzu den Raketenmotoren nicht mehr korrekt ablief. Dadurch trat ein vorzeitiger Brennschluss ein, und die Stufe wurde bei der "Wasserung" schwer beschädigt.Im Prinzip wird das Manöver aber als großer Erfolg gewertet. SpaceX rechnete nicht damit, dass man bei diesem ersten Test die Stufe bereits fast landen könnte.

SpaceX wollte eigentlich auch die Eignung der Oberstufe zur Wiederzündung beweisen. Das allerdings misslang. Gerade diese Fähigkeit wird jedoch bei der nächsten Mission unbedingt benötigt, wenn Ende November der Kommunikationssatellit SES 8 auf eine geostationäre Transferbahn transportiert werden soll. Elon Musk meinte jedoch, dass seine Ingenieure das Problem verstanden hätten, und es bis zum nächsten Start abgestellt sein wird.

Im Übrigen, so führte er weiter aus, hätte SpaceX alle Hauptziele der Mission erreicht. Die Einsatztauglichkeit des neuen Startgerätes als Satellitenträger und seine Fähigkeit, Nutzlasten auf den Korrekten Orbit zu bringen, seien unter Beweis gestellt worden.