Start AntaresNun ist auch der zweite der beiden Privatanbieter für US-Startdienstleistungen zur ISS im Geschäft. Langsam beginnt sich damit die Lücke zu schließen, die der Shuttle bei seinem Rückzug aus dem aktiven Dienst hinterließ. Die NASA als derzeit einziger Auftraggeber für Raumtransporte zeigte sich denn auch zufrieden mit dem erfolgreichen Start des ersten Cygnus-Versorgungsfahrzeugs von Wallops Island aus. Als Träger kam eine Antares zum Einsatz, die mit dieser Mission ihren zweiten Flug absolvierte. Bereits im Frühjahr hatte die Trägerrakete ihren eigenen Testflug absolviert. Beide Vehikel, die Trägerrakete wie der Cygnus-Raumtransporter, werden von Orbital Sciences(OSC) gebaut.

Nur sieben Stunden nach dem Start eines militärischen Kommunikationssatelliten im einige hundert Kilometer südlicher gelegenen Cape Canaveral verließ der Cygnus die Startrampe des Mid-Atlantic Regional Spaceport (kurz: MARS) um 16:58 Uhr mitteleuropäischer Zeit (10:58 Uhr Ortszeit), und erreichte weniger als 10 Minuten später einen ersten Übergangsorbit. Danach entfaltete er die beiden von Dutch Space in Holland gebauten Solargeneratoren und begann seine auf vier Tage angesetzte Transferphase zur Internationalen Raumstation. Die Mission ist der erste "Life"-Test des zylindrischen Transportraumschiffes. Von daher gilt der Einsatz nicht als "Einsatzflug" sondern als Testmission und läuft noch unter der Ägide des Commercial Orbital Transport System (kurz: COTS) Programmes der NASA. Erst der nächste Flug, vorläufig angesetzt für Dezember, gilt als erste "Rountinemission", die im Rahmen des "Commercial Resupply Services" (kurz: CRS) Vertrages der NASA läuft. Hier kann Orbital Sciences für die Durchführung von bis zu acht Missionen bis zu 1,9 Milliarden Dollar erhalten.

Bereits im Rahmen des COTS-Programmes erhielt Orbital Sciences für die Entwicklung des Cygnus und der Antares-Rakete 288 Millionen Dollar von der NASA. Dies dürfte aber nur einen kleineren Teil der Entwicklungskosten abgedeckt haben. Der überwiegende Teil wurde von Orbital Sciences selbst getragen. OSC gab keine genauen Gesamtkosten bekannt, es sollen jedoch mehr als 600 Millionen Dollar sein. Dazu kommen noch Kosten für die neuen Startanlagen in Wallops Island in Virginia, die Orbital in der Zwischenzeit zu einer Art "Company-Spaceport" ausgebaut hat.

Orbitals Demo-Mission erfolgte mehr als ein Jahr nachdem der Konkurrent SpaceX seine eigene Demo-Mission erfolgreich erfüllt hatte.

Cygnus 1 wird bei seiner Annäherung an die Internationale Raumstation einer ganzen Reihe von Tests durchführen, bevor er bis in die unmittelbare Nähe der ISS fliegt und dann bei einem so genannten "Berthing-Manöver" vom ESA-Astronauten Luca Parmitano mit dem Robotarm der Raumstation erfasst und angedockt wird. Der Cygnus verfügt selbst über keine aktive Kopplungsvorrichtung.

An Bord des Raumfahrzeugs befinden sich bei diesem Testflug etwa 750 Kilogramm Nahrungsmittel, Büromaterial, Ersatzteile, Studentenexperimente und ähnliches. Alles Versorgungsgüter niedriger Priorität, die wirklich hochwertigen Dinge wollte man dem ungetesteten Raumfahrzeug zumindest bei dieser Mission noch nicht anvertrauen.

Der Cygnus besteht aus einem Antriebsmodul, das von Orbital Sciences selbst stammt und einem Frachtmodul, das von Thales Alenia Space in Italien kommt. Es basiert auf dem Druckmodul des ATV. Der Cygnus ist nicht rückkehrfähig, genauso wenig wie die russische Progress, das japanische HTV oder das europäische ATV-Versorgungsfahrzeug. Genau wie diese Vehikel wird auch der Cygnus nach Abschluss seiner Mission gezielt in der Erdatmosphäre zum Absturz gebracht werden. Das soll nach den derzeitigen Plänen am 24. Oktober geschehen.

Das einzige Versorgungsfahrzeug, das in der Lage ist, Fracht von der Raumstation wieder zur Erde zurückbringen kann ist der Dragon von SpaceX.