Tiantou-1Nur vier Tage nach dem Start von Tianhui-1 entsandte China heute Morgen erneut einen Satelliten in eine Erdumlaufbahn. China führt damit mit sieben erfolgreich gestarteten Missionen derzeit die weltweite Startstatistik an. Erneut wurde dabei ein Erdbeobachtungssatellit gestartet. Auch in diesem Fall wird der Satellit als "zivil"  bezeichnet, anders als bei Tianhui-1 dürfte hier tatsächlich aber eine überwiegend militärische Aufgabenstellung vorliegen.

Die Mission nahm um 9:06 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Startkomplex 9 des in etwa 1.500 Metern Höhe gelegenen Raumfahrtzentrums in Taiyuan ihren Anfang. Der Satellit trägt die Bezeichnung Yaogan Weixing-14. Als Träger wurde eine dreistufige Rakete des Typs Langer Marsch 4B eingesetzt.

Westliche Beobachter gehen davon aus, dass Yaogan-14 eine weitere Einheit der zweiten Generation optischer Aufklärungssatelliten Chinas darstellt. Die Bahn des Satelliten ist - nach ersten Analysen - sonnensynchron mit einer Bahnneigung von 97,2 Grad zum Äquator, und einer Bahnhöhe von 470 x 474 Kilometern, was für eine polare Bahn extrem niedrig ist. Er könnte möglicherweise als Ersatz für den im Dezember 2009 gestarteten Yaogaon-8 vorgesehen sein, der sich auf einer ähnlichen Bahn bewegt.

Bei diesem Start wurde auch ein kleiner, nur etwa neun Kilogramm schwerer Mikrosatellit mit der Bezeichnung Tiantou 1 in den Orbit transportiert. Während sich Chinas Raumfahrt-Manager über die technische Ausstattung der Hauptnutzlast recht bedeckt halten, gibt es über Tiantou-1 bereits eine Reihe von Informationen. Sie weisen darauf hin, dass das kleine Raumfahrzeug eine ganze Reihe von Features aufweist, die sonst nur in wesentlich größeren Satelliten zu finden sind, wie zum Beispiel ein Lageregelungssystem mit einer ausgefeilten Steuerungselektronik. Der Satellit wird für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden und soll auch in den Signalverkehr des Schiffserkennungssystem AIS (Automatic Identification System) der International Maritime Organization (IMO) eingebunden werden.