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PSLV src=images/stories/2012/04/pslv xl start cr isro.jpgEine indische Trägerrakete des Typs PSLV XL (Polar Satellite Launch Vehicle) brachte am Morgen des 26. April den Radarüberwachungssatelliten RISAT-1 erfolgreich auf eine polare Erdumlaufbahn. Gelungene Missionen wie diese sind für die krisengeschüttelte indische Raumfahrt von großer Bedeutung, dementsprechend groß war der Jubel im Kontrollzentrum, als sich das Raumfahrzeug in perfekter Verfassung aus dem Orbit meldete.

Der knapp 44 Meter hohe Träger startete um 2:17 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit von der Startrampe 1 des Satish Dhawan Space Center auf der Insel Sriharikota an der indischen Ostküste. Es war dies der dritte Flug der XL-Version der PSLV und die 21. Mission einer PSLV insgesamt. Davon waren bis auf einen (dem Erstflug im Jahre 1993) alle Flüge ganz oder zumindest teilweise erfolgreich verlaufen (im September 1997 wurde ein Satellit auf einem niedrigeren als vorgesehenen Orbit abgesetzt).

Vor Ort war es da bereits 5:47 Uhr und wenige Minuten vor Sonnenaufgang. Die Flugroute führte den Träger nach dem Verlassen der Startrampe auf südlichen Kurs mit einer Bahnneigung von 97,6 Grad zum Äquator.

RISAT-1 ist die mit Abstand schwerste Nutzlast, die je mit einer PSLV in eine polare Bahn gebracht wurde. Das Raumfahrzeug wurde 18 Minuten nach dem Abheben über dem Indischen Ozean in einer Höhe von 480 Kilometern abgesetzt. Wenige Minuten später entfaltete RISAT-1 seine Solargeneratoren und die über sechs Meter lange Radarantenne.

Der Satellit stellt für Indien technisches Neuland dar. Die ISRO - Indiens nationale Raumfahrtbehörde - hat bislang zwar schon eine ganze Reihe von Erdbeobachtungssatelliten erfolgreich gestartet, dies waren aber stets Raumfahrzeuge, die im normal-optischen oder infraroten Bereich arbeiteten. Satelliten wie RISAT-1mit seinem C-Band Radar ermöglichen Erdbeobachtung auch bei Schlechtwetterperioden und in der Nacht. Damit eignen sie sich besonders gut für das so genannten "Desaster-Monitoring", also Schadensbeobachtung und - Bekämpfung mittels Satelliten, beispielsweise bei Flutkatastrophen oder den in Indien häufigen Zyklonen. Auch für die Ernteüberwachung während der Monsunzeit soll der Satellit eingesetzt werden.

Daneben gibt es auch vielfältige militärische Nutzungsmöglichkeiten. Indien hat ein gespanntes Verhältnis zu seinen Nachbarn Pakistan und China und will besonders die grenznahen Regionen permanent unter Beobachtung halten. Mit Radarsatelliten lassen sich beispielsweise neben der Allwetter-Beobachtungsmöglichkeit auch unterirdische Bunkeranlagen aufspüren.

Interessant ist, dass der - deutlich kleinere - Radarsatellit RISAT 2 bereits vor drei Jahren gestartet worden war. Dieser Satellit war allerdings mit einem israelischen X-Band Radar ausgerüstet gewesen. RISAT-1 verwendet dagegen ein von Indien selbst entwickeltes Synthetisches Aperture-Radarsystem.

Entwicklung und Bau von RISAT-1 kosteten etwa 75 Millionen Dollar. Der Preis des Trägers betrug 22 Millionen Dollar.

RISAT-1 wird sich jetzt mit seinen Bordtriebwerken auf seine Arbeitshöhe in 535 Kilometern bringen. In diesem Bereich wird das Raumfahrzeug die Erde 14mal pro Tag umkreisen. Der Flugpfad des Satelliten wiederholt sich alle 25 Tage, was in regelmäßigen Abständen Wiederholungsbeobachtungen besonders interessanter Ziele ermöglicht. Die ersten Testbilder werden in der kommenden Woche erwartet.

Die nächste PSLV-Mission ist für den August angesetzt. Dann soll in einer von Astrium Services bezahlten Mission der (Astrium-) firmeneigene Erdbeobachtungssatellit Spot 6 gestartet werden.