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RolloutDas war an Perfektion kaum noch zu übertreffen. Der Start von Shenzhou-8 am 31. Dezember um 22:58 Uhr mitteleuropäischer Zeit zur Vorbereitung des nächsten Schrittes im chinesischen Raumstationsprogramms klappte wie am Schnürchen. Shenzhou-8 ist ein Fahrzeug des bemannten Raumfahrtprogramms Chinas. Diesmal fliegt es jedoch unbemannt, gilt es doch, eine Reihe von Technologien zu erproben, die für China noch Neuland darstellen.

Der Liftoff erfolgte von der Rampe 1 des Jiuquan-Raumfahrtzentrums in Nordchina am Rande der Wüste Gobi. Als Träger wurde eine „Langer Marsch 2F“ eingesetzt. Der knapp 500 Tonnen schwere und 58 Meter hohe Träger brachte das Raumfahrzeug binnen 10 Minuten in eine erste Übergangs-Umlaufbahn, von der aus dann das Anlegemanöver an Tiangong-1 begonnen wird.

Start CN

Um die Bedeutung der Mission zu unterstreichen, hatte sich, wie schon vor einigen Wochen beim Start von Tiangong-1, hohe Funktionäre, Parteikader und Manager des Raumfahrtprogramms versammelt.  Erstaunlich wirkte auch die enorme Professionalität, die sich China in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit angeeignet hat. So wurde der Start landesweit und auch international in einer Reihe von Fernsehsendern übertragen.

An Bord des Trägers und des Raumfahrzeugs befanden sich eine ganze Batterie von Kameras, die unglaublich hoch auflösende Bilder von allen Flugphasen übermittelten. Selbst aus dem diesmal unbemannten Inneren der Raumkapsel wurde die Sicht auf die dort flimmernden Bildschirme übermittelt.

Stufentrennungen, Trennung der Nutzlastverkleidung, Freigabe des Raumfahrzeugs vom Träger, Entfalten der Solargeneratoren: All das war live zu beobachten. Der Blick auf die unterhalb des Raumschiffs durchziehende Erde war in scharfen und detaillierten Bildern zu beobachten. Selbst bei den vom Public-Relationsstandpunkt aus betrachteten bislang am Besten aufbereiteten Übertragungen der NASA sah man derlei noch nie. Die Fernsehaufnahmen vom Raumfahrzeug dauerten auch dann noch an, als sich das Raumfahrzeug bereits weit über dem Pazifik befand.  Eine beeindruckende Demonstration des weit fortgeschrittenen Ausbauzustand des chinesischen satellitengestützen  Datenrelay-Systems.

In den nächsten Tagen wird sich Shenzhou-8 der experimentellen Raumstation Tiangong-1 immer weiter nähern. Vorausgesetzt, dass weiterhin alles nach Plan verläuft, ist das erste Anlegemanöver für den 3. November geplant. Die gemeinsamen Manöver zwischen Shenzhou-8 und Tiangong-1 sollen danach 12 Tage dauern. Danach wird Shenzhou-8 wieder ablegen und dann mindestens noch ein weiteres mal andocken. Die Gesamt-Missionsdauer ist auf drei Wochen ausgelegt. Auch dies ein Hinweis auf die Ausgereiftheit des Systems. Der bisher längste Flug eines Shenzhou-Raumfahrzeuges dauerte nur sieben Tage.

Das Anlegemanöver wird mit einem System geschehen, das dem russisch-amerikanischen Dockingsystem APAS 89/95, das auf der internationalen Raumstation eingesetzt wird, sehr ähnlich ist.

Im Orbitalmodul von Shenzhou-8 befindet sich insgesamt 17 wissenschaftliche Experimente, die sich vorwiegend mit biomedizinischen Fragestellungen beschäftigen.  Zehn der Versuchsanordnungen kommen aus China, sechs aus Deutschland. Ein Experiment, mit der Bezeichnung SIMBOX, ist ein deutsch-chinesisches Gemeinschaftsvorhaben. Die deutschen Vorrichtungen sind die ersten ausländischen Experimente überhaupt, die mit dem System Shenzhou vorgenommen werden.

Die Hardware für SIMBOX wurde von Astrium entwickelt und gebaut. Die wissenschaftliche Leitung der deutschen Experimente hat das DLR.