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NPPEs könnte der 149. und letzte erfolgreiche Start einer Delta 2 gewesen sein. Einst war sie der Standard-Träger der US-Luftwaffe und der NASA, nun steht sie vor der Ausmusterung. Ihre Zuverlässigkeit lässt sie aber möglicherweise zu ihrem eigenen Nachfolger werden. Zunächst einmal scheint aber ihre Geschichte am Endpunkt angekommen zu sein. Am 28. Oktober 2011 brachte sie noch einmal einen Satelliten des US-Wetterbehörde sowie sechs kleine wissenschaftliche Nutzlasten in eine polare Erdumlaufbahn.

Die Delta startete vom Komplex 2W der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien. Der Träger war die 357. jemals eingesetzte Delta (seit dem Flug der ersten, damals noch als Thor-Delta bezeichneten, Rakete am 13. Mai 1960) und die 151. Delta 2. Sie flog in der Version 7920-10C. Das bedeutet, dass als erste Stufe eine „Extra Extended Long Tank Thor“ mit einem RS-27A Triebwerk und zwei LR-107 Vernier-Triebwerken eingesetzt wird, der Träger über neun GEM-40 Feststoffbooster verfügt, die zweite Stufe mit einem AJ-10 118K-Triebwerk ausgerüstet ist, die Rakete keine dritte Stufe verwendet und die Nutzlast von einer 10 Fuß-Komposit-Verkleidung geschützt wird.

VorabendDie Hauptnutzlast der Mission war das so genannte „NPOESS-Vorbereitungsprojekt“ (NPOESS = National Polar-orbiting Operational Environmental Satellite System), das unter der Bezeichnung NPP (für NPOESS Preparatory Project) läuft. Dieser Satellit wurde 85 Minuten und 45 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe von der Oberstufe des Trägers ausgesetzt. Der knapp zwei Tonnen schwere Satellit war ursprünglich als Pfadfinder für das NPOESS-Programm vorgesehen. Dann aber wurde das NPOESS-Programm eingestellt und NPP blieb alleine als einziger fertig gestellter Satellit des Vorhabens übrig. Nun wird er nicht als Testsatellit verwendet, sondern als Einsatzeinheit.

Das Raumfahrzeug wurde von Ball Aerospace gebaut und soll zwischen fünf und sieben Jahren im Dienst bleiben. Die NPOESS-Satelliten waren dafür vorgesehen, die Aufgaben von drein verschiedenen Erdbeobachtungs- und Wettersatellitenreihen zu kombinieren, und zwar denen des militärischen „Defense Meteorological Support Program“ (DMSP),  denen des zivilen Erdbeobachtungssystems (Earth Observing System, oder kurz: EOS) und denen der bisherigen Umweltbeobachtungssatelliten auf polaren Bahnen (den Polar Orbiting Environmental Satellites, oder kurz POES). Das NPOESS-Programm wurde im letzten Jahr abgebrochen, nachdem es weit über dem vorgesehenen Budget und weit hinter dem geplanten Zeitrahmen lag.

Nun wird DMSP durch ein neues militärisches Wettersatellitensystem mit der Bezeichnung  „Defense Weather Satellite System“, oder kurz: DWSS, ersetzt und ein System mit der Bezeichnung JPSS (Joint Polar Satellite System) wird POES ersetzen. NPP stellt nun die Brücke zwischen EOS und JPSS her und ist gleichzeitig der erste Einsatzsatellit des JPSS-Systems, sozusagen die „Nullnummer“. Der erste „richtige“ Einsatzsatellit, JPSS-1 wird im Jahre 2014 gestartet werden und auf NPP basieren.

NPP trägt fünf Instrumente, mit welchen die Erde in einem weiten Spektralbereich beobachtet wird. Sie vermessen das Strahlungsbudget der Erde (Einstrahlung und Rückstrahlung), untersuchen Sturmgebiete, beobachten die Ozonschicht analysieren die Luftqualität.

Neben dieser Hauptnutzlast transportierte die Delta 2 noch sechs sogenannte „Cubesats“, sehr kleine Forschungs- und Technologiesatelliten, die von Universitäten und Forschungseinrichtungen stammen. Sie wurden etwa 40 Minuten nach NPP von der zweiten Stufe des Trägers freigegeben. Dafür hatte diese Stufe zuvor mit einem 40 Sekunden dauernden Brennmanöver eine andere Bahn angesteuert. Danach führte sie ein weiteres Brennmanöver von 32 Sekunden Dauer durch, bei dem der gesamte restliche Treibstoff aufgebraucht wurde.

Das weitere Schicksal der Delta 2 steht in den Sternen. Es sind noch fünf bereits produzierte Einheiten verfügbar, für die es aber keine Startaufträge gibt. Diese Raketen sind allesamt als so genannte „Heavy-Version“ ausgelegt. Außerdem können sie nur von Vandenberg aus starten, da die Startanlage in Cap Canaveral bereits außer Dienst gestellt wurde. Trotzdem gibt es Überlegungen bei NASA und US-Militär die Delta 2 auch zukünftig als Träger einzusetzen, vor allem weil sich ihre Nachfolger, die Delta 4 und Atlas 5 zwar als zuverlässig, aber auch als extrem teuer und für viele Nutzlast als überdimensioniert herausgestellt haben.

Delta 2 Start