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Giove 1 und 2Der erste Start einer russischen Sojus 2.1b-Trägerrakete von Kourou aus, am 22. Oktober,  war ein voller Erfolg. Das System konnte unter widrigen Wetterverhältnissen vor den Augen der Welt zeigen, was es kann. Eine Top-Werbung für zukünftige kommerzielle und wissenschaftliche Starts der Sojus von Kourou aus.

Vom Abflug des Trägers selbst war allerdings nicht viel zu sehen. Das Wasser strömte in Bächen über die Kamera-Linse und die Rakete war schon nach Sekunden in den bleigrauen Regenwolken verschwunden. Die grafische Darstellung im Startzentrum zeigte aber recht gut den perfekten Fortgang des Aufstiegs.

Die neue Sojus-Startanlage liegt 13 Kilometer nördlich der Startanlage für die Ariane 5. Sie ist ein Nachbau der Sojus-Startanlagen von Baikonur und Plesetzk.

Die Nutzlast bestand aus den beiden ersten Einheiten des europäischen Navigationssatellitensystems „Galileo“. Sie tragen die Bezeichnung „Giove 1“ und „Giove 2“ (Galileo In-Orbit Validation Element). 3 Stunden und 50 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe gab die Fregat-Oberstufe des Trägers die beiden Satelliten frei. Die Bahnhöhe des annähernd kreisförmigen Orbits betrug 23.200 Kilometer, die Bahnneigung zum Äquator 54,7 Grad.

Anders als das Projekt „Sojus von Kourou“ ist das Projekt des europäischen Satellitennavigationssystems „Galileo“ alles andere als ein Ruhmesblatt. Vor allem deswegen, weil Kosten und Zeitpläne gleichermaßen explodiert sind.  Die Stationierung der ersten Satelliten hätte, wäre es nach den ursprünglichen Planen gegangen, bereits 2004 erfolgen sollen.

Nicht zuletzt aufgrund der steil gestiegenen Kosten konnte sich Europa bislang nicht bereit erklären, mehr als eine Rumpfkonstellation (von 18 anstatt von 30 Satelliten) in Auftrag zu geben. Sollte es sich so bewahrheiten, bleibt für Europa automatisch nur Platz vier der internationalen Systeme. Und das für einen Preis von 5,4 Milliarden Euro.

Angeführt wird der Reigen unangefochten vom US-amerikanischen Global Positioning System, kurz: GPS. Es hat dieser Art von Systemen den Namen gegeben. Dort tummeln sich in der Zwischenzeit bereits die Einheiten der fünften Generation (die sechste ist in Vorbereitung). 32 Aktive Satelliten sind derzeit im Orbit. 65 wurden bislang gestartet, die Satelliten früherer Generationen sind längst nicht mehr in Betrieb.

Nummer zwei ist das russische System Glonass, das bereits zu Zeiten der Sowjetunion einmal komplett im Orbit installiert war, in den schwierigen Jahren nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems verwahrloste und nicht mehr erneuert wurde, aber jetzt seit wenigen Monaten wieder in voller Betriebsstärke (mit 24 aktiven Einheiten) am Himmel steht. Drei Reserveeinheiten werden in wenigen Wochen gestartet.

Und es gibt das das chinesische System "Kompass" (oder auch "Beidou), zu dem sich China - einst Partner im Galileo-Verbund - im Alleingang entschlossen hatte, nachdem es die ständigen Verzögerungen im europäischen System nicht länger mitmachen wollte. Kompass ist inzwischen mit neun aktiven Satelliten in seiner ersten Ausbauphase betriebsbereit. Bis 2015 sollen es 30 Satelliten sein.